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19th
Sep 15

W:O:A 2015

W:O:A 2015
EN Wacken

W:O:A 2015

Beim Wacken gibt es von morgens bis abends nicht nur geile Musik, sondern auch jedes andere Bedürfnis nach Unterhaltung wird vollständig bedient. Neben einem Mittelaltermarkt, der mit verschiedenen Speisen lockte, zubereitet nach der Art längst vergangener Tage, konnte man ein paar Schritte weiter durchtrainierte Mädels und Jungs beim Schlammcatchen bewundern. Die riesige Einkaufsmeile bot neben einer großen Auswahl an Merchandise, Klamotten, CDs und Lederwaren auch den wichtigste Artikel dieser Wacken-Veranstaltung: Die Gummistiefel. Der VIP-Bereich konnte mit den Ständen der Speisenwerft von Tim Mälzer punkten, die qualitativ hochwertige und schmackhafte Speisen für die Fotografen, Presseleute und VIP-Gäste bereithielten. Im Schlafbereich dröhnten mitgebrachte Generatoren die ganze Nacht durch und ließen manch einen Besucher kein Auge zumachen. Dabei ist Schlafen im Zeltbereich ohnehin nicht unbedingt ein Muss, da das Bier in Strömen fließt und die meisten auch nach dem Festival noch Erholungsurlaub haben. Selbst die Tatsache, dass das eine oder andere Zelt komplett im Wasser stand, tat der guten Stimmung keinen Abbruch.

Und überhaupt stand das W:O:A dieses Jahr ganz im Zeichen von viel Regen und wenig Sonnenschein. Der Sommer meinte es nicht gut mit den Metalheads. Die Tage vorm Wacken-Festival waren noch sonnig und mit angenehmen Temperaturen erfüllt, aber bereits am Montag ließen die dunklen Wolken bereits Böses erahnen. Ab Mittwoch begann dann der Dauerregen, der das gesamte Wacken-Gelände in ein teilweise unpassierbares Matschfeld verwandelte. Keine Regenjacke konnte dem strömenden Regen trotzen, die Schuhe versanken mindestens bis zum Knöchel im Schlamm und erschwerten erheblich das Vorankommen. Die Wacken-Kenner berichteten, dass es selbst in den Jahren 2008 und 2012 nicht ganz so schlimm war wie dieses Jahr. 

Aber nasse Klamotten und Dauerregen konnten die Metal-Fans nicht vom Feiern abhalten. Als hätte der Veranstalter die schlimme Wetterlage vorausgesehen, hat er dieses Jahr bereits am Mittwoch für ein größeres Programm im Bullheadcity-Zelt gesorgt. New Model Army, Uli Jon Roth und Europe ließen das Publikum das mäßige Wetter nahezu komplett vergessen. Bei New Model Army vermisste der eingefleischte Fan leider ein paar Klassiker im Programm, aber Europe entschädigte das Publikum voll und ganz und spielten die absoluten Klassiker „Rock the Night“ und „The Final Countdown“. Ein erstes musikalisches Ausrufezeichen!

Leider konnten die klassischen „Metal-Gods“ den schlecht gelaunten „Wetter-Gott“ nicht wirklich besänftigen. Es regnete die ganze Nacht durch. Tonnen von Holzhackschnitzeln konnten zwar das Schlammproblem etwas lindern, jedoch nicht beseitigen. Auf der Pressekonferenz berichtete der Produktionsleiter Thomas Hess, dass 3.500 Tonnen Füllmaterial, 15 Traktoren, drei Kettenbagger und diverse Radlader im Dauereinsatz, 600 Meter zusätzliche mobile Fahrstraße, zehn Hektar zusätzliche Ausweichfläche und vieles mehr aufgefahren werden mussten, damit das Wacken nicht ins Wasser fällt.

Am Donnerstag legte der Regen zwischendurch ein paar Pausen ein. Die ganz normal Verrückten nahmen ihr erstes Schlammbad. Die Gummistiefel waren übrigens auf dem Wacken-Gelände und im Umkreis von 50 Kilometern komplett ausverkauft und avancierten zum absoluten Kassenschlager dieser Veranstaltung. Erstmalig war die Wackinger-Stage an einem neuen Standort. Leider konnten aufgrund des Regens die obligatorischen Opener „SKYLINE“ auf der großen Bühne, U.D.O. with BUNDESWEHR MUSIKKORPS und IN EXTREMO nicht ganz so viele Fans vor die Bühnen locken.

Erst ROB ZOMBIE und eine Regenpause retteten die Situation. Ein großer Name, der das erste Mal auf der Wackenbühne stand. ROB, definitiv gut drauf, unterhielt sich angeregt mit seinem Publikum. Auch sein Gang von der Bühne zu den Fans in den ersten Reihen ließ ahnen, dass er sich beim Wacken wohl fühlt. Die Hits wie „More Human than Human“, „Dragula“ oder „Living Dead Girl“ fehlten natürlich nicht. Obendrauf gab es noch einige Cover-Versionen. Zuerst musste James Browns „Get Up“ dran glauben, später folgte noch eine Interpretation des RAMONES-Überhits „Blitzkrieg Bop“. Und nachdem bereits das Intro-Riff zu „Thunder Kiss ´65“ aus den Boxen schallte, überrumpelte der Dreadlock-Mähnenträger die Leute mit folgenden Worten: „You know what? Fuck this song. We‘ve played this song a hundred times before. We’re gonna play something we never played before!“ Damit war „Enter Sandman“ gemeint. Thunder Kiss ’65 folgte dann im Anschluss und wurde noch kurz durch ein Intermezzo von „Schools Out“ ergänzt. Lobend erwähnen muss man auch das kultige Bühnenbild nebst der Instrumente und Outfits der Band, welche an alte Horrorklassiker erinnern sollten; ein Faible welches der charismatische ROB unter den ZOMBIES auch in seinen Filmen fröhnt. Die futuristisch wirkenden Stücke gaben der Show einen zusätzlichen „Kick“. Kurzum: ROB ZOMBIE waren für viele DAS Highlight beim diesjährigen Wacken!

Am späteren Donnerstag hatte der groß angekündigte Headliner dieses Jahres, die Band SAVATAGE, seinen Auftritt. Die Reunion-Show von SAVATAGE wäre eigentlich schon der Wahnsinn genug gewesen, doch es wurden noch einige Schippen draufgelegt! SAVATAGE spielten gute 2 Stunden mit dem Band eigenen Nebenprojekt TRANS-SIBIRIAN-ORCHESTRA und das auf beiden Hauptbühnen gleichzeitig!!! SAVATAGE begannen links und wechselten sich zuerst mit dem rechts aufspielenden TRANS-SIBIRIAN-ORCHESTRA ab, was später in einem gemeinsamen Feuerwerk von allen Hits beider Kapellen mündete. Von Beethoven bis zur Völkerverständigung war alles dabei. So lagen sich doch trotz gefühlt 20 bildhübscher Tänzerinnen auf der Bühne bei „Belive“ überwiegend dickbäuchige Mittvierziger aller Nationen heulend in den Armen. Ein unfassbares Konzert, wohl weltweit einmalig! 

Am Freitag hatte der „Wetter-Gott“ endlich etwas Erbarmen. Die Wolken rissen auf und gegen 16 Uhr gab es die ersten Wacken-Sonnenstrahlen. Leider waren diese nicht in der Lage, die Matschlandschaft zu trocknen und so wurde der Schlamm an einigen Stellen nur etwas zäher. Trotzdem entspannte sich die Lage zusehends, auch für die zahlreichen Helfer. 

Auf der Black-Stage feierten SEPULTURA am Freitag lautstark ihre 30 Jahre-Jubiläums-Tour. Die Band stand bereits zum dritten Mal beim W:O:A auf der Bühne und die Jungs um Derrick und Andreas konnten – wie auch die Male davor – zahlreich erschienene Fans begeistern. Die Eule auf dem „Orange“-Amp machte den Anwesenden deutlich, dass die Norwegische Band KVELERTAK als nächster Act auf die True-Metal-Stage kommt. Die Band um Sänger Erlend Hjelvik lieferte eine energiegeladene Show ab, obwohl an einigen Stellen die Passagen der drei Gitarristen etwas verwaschen klangen. Auf den kleinen Clubbühnen klingen die Jungs in der Regel viel besser. Erlend ließ sich aber nicht davon stören und nahm beim gleich zwei Mal ein Bad in der Menge. Nach Norwegen war Schweden dran. Die schwedische Metalband AT THE GATES zeigte mit Songs von der neuen Scheibe „At War with Reality“ und alten Nackenbrechern wie „Suicide Nation“, „Nausea“ oder „Blinded by Fear“ große Spielfreude. Thomas Lindberg wurde nicht müde, die Fans zum Headbangen und Ausrasten zu animieren. Um den Fans Abwechslung zu bieten, hatten anschließend mit QUEENSRYCHE, OPETH und DREAM THEATER gleich drei Vertreter des Progressive Metals ihren Auftritt, wobei sich gerade QUEENSRYCHE von Ihrer eher härteren Seite zeigten. OPETH blieben Ihrem neuen Kurs treu und spielten weniger Ihre alten, harten Stücke. So kam Mikael Akerfeldts wunderbar klare Stimme mehr zur Geltung. Alles hat Vor- und Nachteile. Auf jeden Fall nur Vorteile hatte der geniale Auftritt von DREAM THEATER, die Fans aus aller Welt - konnte man an den vielen Flaggen sehen - auch ohne den legendären Mike Portnoy begeisterten.

Nicht nur vor den großen Bühnen, sondern auch im Zelt „spielte die Musik“. Der sympathische John Bush mit seiner unverkennbaren Stimme und seine Combo ARMORED SAINT waren ganz heiß darauf, ihr neues Album „Win Hands Down“ live zu spielen. Das Moshen und Headbangen blieb dabei nicht auf der Strecke. Auch der Sänger der Band SAMAEL konnte mit seiner einmaligen Stimme voll überzeugen und wurde trotz des vorne sehr basslastigen Sounds, bei dem die feinen Melodien leider untergingen, zu einem weiteren Highlight vom Wacken 2015. Wie es bereits bei einigen Bands Trend ist, werden besonders einflussreiche Alben in einer Special-Show vollständig dem Publikum präsentiert. SAMAEL haben dafür ihr Meisterwerk „Ceremony of Opposites“ ausgewählt. Jeder Song war ein Klassiker, ein phantastisches Album, das von der Schweizer Band im Jahr 1994 komponiert wurde. Die Ausdruckskraft von Vorphalack reichte aus, um die Fans im Zelt zum ausgelassen Headbangen zu animieren.

Etwas enttäuschend für einen Freitag-Headliner entpuppte sich der Auftritt von IN FLAMES. Trotz der aufwändigen Lichtshow und einer Mischung aus Klassikern und Songs vom neuen Album waren die Göteborger Jungs schon mal mit mehr Energie und Power auf dem Wacken Open Air dabei. Der Auftritt von WITHIN TEMPTATION lockte zahlreiche weibliche Fans vor die Party-Bühne. Sharon den Adel, gekleidet in einen wallenden Umhang heizte zusammen mit den Feuersäulen das Publikum an. Spätestens nach zwei Songs, wurde klar, dass auch männliche Fans die eingehenden Songtexte sicher beherrschen. 

Der Samstag begrüßte nun endlich mit strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen. Leichte Ermüdung war in den Reihen der Fans zu merken. So fanden sich nur noch wenige Metalheads beim Auftritt der groovigen Black-Metal-Band KHOLD vor der Bühne ein. KHOLD absolvierten ihren Auftritt trotzdem souverän, mit straighten Riffs und krächzenden Shouts. Zur heiligen Metal-Messe wurden die Fans von der Band POWERWOLF eingeladen. Der Karpaten-Dialekt von Attila Dorn, der von ihm ausschließlich bei Auftritten angewandt wird, war nicht zu überhören. Der nach slawischen Folklore klingende Sound und die leider wegen der hellen Tageszeit etwas untergegangene Beweihräucherung verbreiteten eine Menge Spaß, bleibt aber Geschmacksache.

AMORPHIS Sänger Tomi Joutsen verabschiedete sich von seinen Dreads und bot somit einen Anblick, an den sich die Fans noch gewöhnen müssen. Der Auftritt der Band stand ganz im Zeichen vom Meilenstein „Tales from the thousand Lakes“. Die Mischung aus Death-Metal-Growls und folkloristischen Anteilen, die den Songs Melodie und Eingängigkeit verleiht, ohne an Härte zu verlieren, entflammte die Fans. Die "Thousand-Lakes"-Nummern wurden von einigen Stücken des "Elegy"-Albums ergänzt. Es folgte die Überraschung des Tages: Die Band BIOHAZARD. Die vier Herren, die seit 2008 wieder auf der Bühne stehen und sich ursprünglich 1987 in New York gründeten, waren insbesondere in den 90ern wahre Helden des Metals und haben große Konzerthallen gefüllt. Beim Wacken reichte es nur für die kleine Party-Stage. Aber was die Band ablieferte, überzeugte voll und ganz. Insbesondere Billy Graziadei und Scott Roberts sprühten geradezu vor Energie und standen keine Minute still. Die Songs “How it is”, “Tales from the hard Site” und “Punishment” ließen die Fanherzen höher schlagen. Auf der True Metal Stage rockten BLOODBATH; ein absoluter Geheimtipp und ein toller Schachzug vom Veranstalter, dass die selten live spielende Supergroup dem Publikum auf einer der großen Bühnen präsentiert wurde. Als weiteren Höhepunkt gesellte sich am Ende der Show dann auch noch der Gründungsmitglied Dan Swanö dazu.

Als das Infield deutlich voller wurde, kam die Zeit für SABATON. Am Anfang leistete sich die Band einen Patzer durch die viel zu leise Musik. Die Zurufe der Fans "lauter, lauter!" animierten Joakim Broden zunächst nur dazu, sich „noch ein Bier“ zu genehmigen. Als das Problem behoben wurde, gaben sich die Jungs noch mehr Mühe und begeisterten die Fans mit zahlreichen Ohrwürmern und dem aufwendig gestalteten Bühnenbild. Zum Glück, gab es dann auch noch die eine oder andere Flasche Bier mehr.

Als Samstags-Headliner wurde vom Veranstalter die Metal-Legende JUDAS PRIEST verpflichtet. Rob Halford zeigte sich in erstaunlich guter Form und sang neben den alten Hits wie „Turbo Lover“, „Jawbreaker“, „Breaking The Law“, „Hell Bent For Leather“ auch neuere Songs bis hin zu „Redeemer Of Souls“. Nicht nur die Setliste bot Abwechselung, sondern auch die zahlreichen Bühnenoutfits von Halford. Als Rob mit seiner Harley auf der Bühne erschien, waren die Fans kaum noch zu halten. So viele Crowdsurfer gab es dieses Jahr bei keiner anderen Band!

Es bleibt abzuwarten, ob das Wacken 2016 mit noch mehr Highlights auffahren kann.

Die ersten 17 Bands sind bereits bestätigt, darunter AXEL RUDI PELL, DRAGONFORCE, ELUVEITIE (eine weitere Wacken-Premiere), ORPHANED LAND, STEEL PANTHER und BLIND GUARDIAN.

Schließen wollen wir mit einem Zitat von IRON MAIDEN-Sänger-Legende Bruce Dickinson:

„There are basically two categories of music: Metal and bullshit.“

In diesem Sinne sagen wir bis nächstes Jahr und werden auf jeden Fall wieder mit heißer Nadel und erhobener Pommesgabel für Euch vor Ort sein.
Autoren: Volker Schmidt  -  Natalie Sablodski  -  Mario Kretschmer

Autor: Pierre
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