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13th
Jun 17

Wacken Open Air 2016

WOA 2016 Review
EN Wacken

Die Meinungen zum Wacken Open Air 2016 fallen ziemlich zwiespältig aus. Das Wetter war zum zweiten Jahr in Folge den Metallern nicht wohl gesonnen. Aber zum Glück blieben die starken Unwetter wie auf anderen Festivals aus. Ähnlich wie das Wetter glänzte das WOA 2016 auch nicht gerade durch ein Highlight-Billing. Natürlich gab es einige Headliner, doch ein paar mehr große Namen, die man nicht alle 2 Jahre auf dem W:O:A sieht, hätten dem Wacken-Programm mit Sicherheit nicht geschadet. Ansonsten ist wohl klar, dass das WOA wieder mit hervorragender Organisation aufwarten konnte. Auch die Reaktion auf die erhöhte Terrorgefahr in Form eines Taschen- und Rucksackverbots auf dem Festivalgelände wurde größtenteils gut und ohne große Probleme umgesetzt.

Da Wacken nicht mehr nur ein Musikfestival ist, sondern auch ein großes Rahmenprogramm bietet, ist auch dies ein Punkt, der die Meinung der Fans spaltet. Das Angebot drumherum bietet allerdings so viel, dass sich jeder in irgendeiner Form rund um die Uhr beschäftigen konnte. Die Einen erfreuten sich an Endzeit-Tänzerinnen und Ritterkämpfen und die Anderen versuchen sich vielleicht bei Festival-Atmosphäre an einem Kochkurs. Wer keine passende Wacken-Kleidung dabei hatte, fand sowohl sexy Netzstrümpfe und Corsagen als auch schlichte Band-Shirts in den zahlreichen Verkaufsständen. Nur Tonträger und Raritäten gab’s weniger auf dem Festival, denn das Metalmarkt-Zelt wurde abgeschafft. An jeder Ecke drang einem der leckere Geruch von Bratwurst, Pizza oder Crepés in die Nase. Für die Fleischliebhaber gab es mit dem argentinischen Steak-Stand ein besonderes Highlight. Wie viele Liter Bier dieses Jahr wieder im Wacken in die Becher flossen, kann man nur erahnen. Die von den Fans mehrheitlich gewünschte Rückkehr zu 0,4-Liter-Getränkebechern wurde schließlich umgesetzt.

Geregnet hatte es schon zum Festivalbeginn wieder mal zuviel. Der Boden verwandelte sich ziemlich schnell in eine zertretene Schlammlandschaft, die Gummistiefel unabdingbar machte. Im Publikum hatte man dieses Jahr den Eindruck, es reicht mit Matsch: nur weniger Schlammsurfer waren anzutreffen, viele haben sich geduckt, sobald die bematschten Schuhe eines Crowd-Surfers in der Nähe waren. Schade ist, dass vom Veranstalter nicht allzu viele Maßnahmen ergriffen wurden, um die Bodenverhältnisse auszubessern. Pfützen und Matschlöcher auf dem Infield blieben bis zum Festival-Ende unverändert und erforderten den einen oder anderen Umweg.

Natürlich gab es auch dieses Jahr wieder genügend eifrige und lautstarke Bands, die jede klassische als auch neumodische Metal-Richtung abdeckten und zahlreiche Fans durch ihre Performance und Show vor die Freiluft – Bühnen und auch in das Zelt lockten.

Am Donnerstag enterte bereits der größte Headliner vom Wacken 2016 die Bühne: IRON MAIDEN. Und sie lieferten ab. Bruce Dickinson sprang ungeachtet seines Alters wie ein Ping-Pong-Ball auf der Bühne, schwang den „Union Jack“, warf Bananen in die Menge und kämpfte mit Riesen-Eddie. Die Setliste war für die Fans, die Iron Maidon auf einem der Konzerte ihrer THE BOOK OF SOULS – Welttournee bereits gesehen haben, wenig überraschend, tat aber der Stimmung auf dem prall gefüllten Innenfeld keinen Abbruch. Genau wie der Regen, der sich ausgerechnet bei diesem Highlight-Konzert kräftig über die Metalheads ergoss.

Weitere „Klassiker“ – nicht nur vom Alter her – waren am Donnertag die Bands FOREIGNER und WHITESNAKE. Zwar erinnerte sich der eine oder andere Fan mit Wehmut an die Originalbesetzung, aber die immer noch mitreißenden Alt-Hits trösteten darüber hinweg.

Während am Donnerstag auf den Hauptbühnen eher milde Töne angeschlagen wurden, rasteten die Fans im Zelt bei VADER, THE BLACK DAHLIA MURDER und MARDUK regelrecht aus. Leider konnten die Bands trotz aller Mühe nicht voll punkten, denn die Zeltbühnen hatten fast immer einen schlechten, matschigen und undurchsichtigen Sound.

Nach dem heftigen Regenguss am Freitagvormittag zeigte sich nachmittags ab und an die Sonne. Für einige Festival-Camper war es leider nur ein schwacher Trost, da ihre Habseligkeiten schon längst durchnässt und verschlammt waren.

Die ungarische Band EKTOMORF begeisterte mit ihrer ganz speziellen Mischung aus Thrash-Metal und Roma-Klängen am Freitag viele Fans. Die massentaugliche Komposition BULLET FOR MY VALENTAINE rund um den gut aussehenden Matthew Tuck lockte vor allem viele WOA-Besucherinnen vor die Main-Stage.

Besonders zu erwähnen ist der Auftritt der Death-Metal-Band OVERTHRUST aus Botswana auf der etwas unpassenden Wackinger Village Stage. Die vier Jungs mit den Namen Vulture Thrust, Suicide Torment, Spencer Thrust und Bist Thunder beweisen dennoch eindrucksvoll wie wild, roh und dreckig afrikanischer Metal klingt.

Währenddessen kündigten ARCH ENEMY im Pressezelt die „Größte Bühnenshow der Bandgeschichte“ an. Eine starke Ansage! Alissa White Gluz ließ es sich schon vorher nicht nehmen, für eine weitere Überraschung zu sorgen. Sie unterstützte TARJA bei deren Auftritt. Die Stimmen der beiden passten nicht so recht zusammen, aber gut anzusehen, waren sie allemal. Leider spielte Tarja bei ihrem Auftritt nur recht wenige Songs von Nightwish.

Man hörte hier und da, dass BLIND GUARDIAN als Freitag-Headliner voll abgeräumt haben. Der Sound der Krefelder war wohl perfekt und das Publikum brachte volle Unterstützung und sang lautstark die Songs der Setlist mit. In 90 Minuten wurden Songs vom ersten bis zum letzten Album präsentiert.

Was für ein Schreck, am Samstag gab es eine Wetterwarnung wegen Starkregens. Glücklicherweise blieb es zwar bei jeder Menge Regen, aber ohne dass eine Gefährdung für die Festival-Besucher vorlag.

BORKNAGAR mussten dann schon Samstag Mittag auf die Bühne. Die Jungs um Øystein G. Brun waren aber schon ausgeschlafen und brachten 75 Minuten Spielfreude und Energie mit. Die Band kommt einfach sympathisch rüber! Die Songs vom aktuellen Album „Winter Thrice“ funktionieren live sehr gut und so konnten die Norweger einen souveränen Start für den Samstag vorlegen.

SNOWY SHAW bat dem Publikum eine Menge Cover-Versionen von großen Hits an. Darüber ob diese Darbietung gut war, lässt sich leider streiten. Allerdings gab es dafür eine solide Bühnenausstattung und viel Schminke zu sehen.

Der lustigste Moshpit des Samstags traf sich bei GLORYHAMMER im bis auf die letzte Ecke voll besetzten Zelt. Für diesen Gig bewaffneten sich die Fans mit Plastikschwertern und Plastikhämmern und feierten mit der Band richtig ab.

STEEL PANTHER - Die alten Herren kann man nicht wirklich ernst nehmen. Die Show steht gegenüber der Musik deutlich im Vordergrund. Wenn sich die weiblichen Fans die Texte von Steel Panther genau anhören würden, würde mit Sicherheit keine einzige weibliche Person im Publikum zu finden sein.

Bei TRIPTYKON war Schluss mit lustig! Umgedrehte Kreuze und Feuerschalen zeigten gleich, dass Tom Gabriel Fischer und seine Truppe es ernst meinen mit Ihrem Doom-Metal. Tryptikon hatten zum ersten Mal die Sängerin Simone Vollenweider mit auf der Bühne. Ihre Stimme wurde leider fast komplett von Toms Stimme überlagert.  Der Auftritt bleibt definitiv in Erinnerung und dass nicht nur weil die Band 6-Celtic-Frost-Klassiker zum Besten gab! Bleibt nur noch eins anzumerken: keiner kann so böse gucken wie die zarte Bassistin Vanja Slajh. Herrlich!

TWISTED SISTER ließen die 1980er-Jahre auf der Bühne wieder aufleben. Die letzte Show der Band glänzte durch eine Mischung aus einer Menge Hits wie Straight To Hell, I Wanna Rock, Can’t Stop Rock’n’Roll und natürlich We’re Not Gonna Take It, viel Haarspray und schrille Klamotten. „Forty and Fuck it“ was für ein standesgemäßer Abgang! Respekt!

Leider haben PARKWAY DRIVE und ARCH ENEMY gleichzeitig gespielt. Wer sich für Arch Enemy entschieden hat, war gut beraten. Die Ansage in der Pressekonferenz, die größte Bühnenshow der Bandgeschichte zu liefern, war nicht übertrieben. Es stimmte einfach alles: die aufwendige Bühnenausstattung, unglaublich viele Pyroeffekte und die gut durchdachte Setlist. Die Band präsentiert sich mit Spielfreude und gewohnter Präzision. Alissa White Gluz glänzte auf der Bühne nicht nur durch ihren Gesang, sondern auch durch ihr hautenges Ganzkörperoutfit. Auf jeden Fall ein bombastischer Abschluss für das W:O:A 2016!

Nächstes Jahr gibt’s erstmal eine saftige Preiserhöhung und das nach derzeitigem Kenntnisstand leider nicht, weil geile große Bands angekündigt wurden. Die Begründungen wie mehr Parkflächen oder kostenlose Montagsanreise und Spültoiletten lesen sich eher wie notdürftige Rechtfertigungen. Aber vielleicht wird das Geld ja tatsächlich für die Befestigung des Geländes verwendet. Noch sind die Karten nicht ausverkauft und somit heißt es erst einmal abwarten. 

Natalie Sablodski & Volker Schmidt

Autor: Pierre
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