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01st
Sep 14

Wacken 2014 - Nachbericht

25. Wacken:Open:Air
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25. Wacken:Open:Air

Auch dieses Jahr eröffnen SKYLINE als ortsansässige Coverband, mit Hits wie "Black No. 1" von TYPE O NEGATIVE und "Engel" von RAMMSTEIN das Festival und bringen bereits die ersten Besucher zum Mitsingen und Kopfnicken. Dann stehen HAMMERFALL auf der Bühne. Die schwedischen Power Metaller drehen auf und wissen mit "Child of the Damned" und "The Metal Age" zu begeistern. Zehntausende recken die Fäuste in die Luft. Bei einem Blick über das dicht gefüllte Infield versteht man das oft erwähnte Wacken-Feeling und weiß jetzt schon, dass das Festival großartige Erinnerungen liefern wird.

Vermehrt Publikum mit verrückten Perücken und knallbunten Leoleggings lassen schon vermuten, wer als nächstes auf der Bühne stehen wird. Zeit für Glam Metal von STEEL PANTHER. Die US-Amerikaner rocken sich gewohnt ungeniert durch ihr Set und ein Highlight jagt das nächste. Dabei wird das balladige "Just like Tiger Woods" ebenso textsicher mitgesungen, wie die Ohrwürmer "Gloryhole" und "Death to all but Metal". Obligatorisch zum Ende der Show lässt
Michael Starr zu "Party all Day (fuck all Night)" zeigefreudige Damen auf die Bühne. Passend zum W:O:A diesmal besonders wild und ausgelassen.


Der Donnerstag endet mit einer Band, die im Vorfeld als geheimer Headliner  gehandelt wurde: ACCEPT. Die Deutschen Metal Giganten zeigen sich mit fettem Sound und großer Spielfreude. Die Begeisterung der Fans für Ihre alten Helden ist ebenfalls nicht zu übersehen.


Der Freitag fängt ebenso Retro an wie der Donnerstag aufgehört hat. SKID ROW verstehen es, das noch müde Publikum auf Trab zu bringen. Gerade alte Stücke wie "18 and Life" "Youth gone wild" und "Monkey Business" werden schon mit einer engagierten Lautstärke mitgesungen. Aufgrund der sechs Bühnen ist es in den letzten Jahren immer schwerer geworden alle Lieblingsbands live erleben zu können, einfach weil vieles parallel abläuft. Bei KNORKATOR auf der Party Stage und ENDSTILLE auf der Black Stage  ist der musikalische Unterschied so groß, dass es wenig derartige Probleme geben sollte. ENDSTILLE liefern wieder mal großartig ab! Besser kann man es als Black Metal Band um dieser Uhrzeit kaum machen. Ich denke, auch KNORKATOR werden Ihre Fans erreicht haben.

FIVE FINGER DEATH PUNCH bringen dann schon wieder ein deutlich gemischteres Publikum vor die Bühne. Mittlerweile ist es auch richtig heiß und Hinweise dazu, dass man genügend trinken soll tauchen immer wieder auf den Leinwänden auf. FFDP bringen einen exzellenten Sound mit und so sind die Fans und die Band gleichermaßen zufrieden und gut gelaunt. Weiter geht’s ebenfalls mit Musik aus einer neueren Metal Stilrichtung. Die Engländer BRING ME THE HORIZON geben von Anfang an Vollgas und starten direkt mit einem Presslufthammer namens „Shadow Moses“. Auf und vor der Bühne scheint alles in Bewegung zu sein. Die Energie scheint sich von Song zu Song zu steigern und endet dann im Hit „Sleepwalking“. Um zu zeigen, dass so was auch mit einer deutschen Band möglich ist folgt HEAVEN SHALL BURN auf der True Metal Stage. Wieder fetter Sound und diesmal zusätzliche Unterstützung durch Nebelfontänen und Feuersäulen.


Und plötzlich betritt ein Überraschungsgast die Bühne. Es handelt sich um niemand geringeren als DAN SWANÖ, Produzentenlegende sowie Sänger und Schlagzeuger der legendären EDGE OF SANITY. Diese Band veröffentlichte auf dem Schweden-Deathmetal Klassiker-Album "Purgatory Afterglow" den Titel „Black Tears“, der später von HSB gecovert wurde. Jetzt stimmen Swanö und Bischoff in trauter Zweisamkeit den Klassiker an, für viele ein ganz besonderer Moment.

Der Auftritt von CHILDREN OF BODOM ist leider wie jeder andere der Band und kaum etwas Besonderes. Bis auf die Tatsache, dass es auffallend und schmerzhaft laut ist. Laut ist ja gut aber so extrem machen selbst  Songs wie „Are you dead yet?“ oder „In your Face“ keinen Spaß.

Den anschließenden Auftritt von APOCALYPTICA streife ich nur kurz. Die drei finnischen Cellisten sind mit einem kompletten klassischen Orchester angerückt. Sowohl optisch als auch musikalisch sehr beeindruckend. Aber im Wacken-Drumherum können sie mich jetzt nicht in ihren Bann ziehen.


Diese Jahr haben sie es tatsächlich geschafft: MOTÖRHEAD stehen auf der Black Stage bereit. Aber richtig gut sieht LEMMY KILMISTER nicht aus. Undeutlich lallt er den Leitsatz der Band ins Mikro: „We are Motörhead, and we play Rock 'n Roll“. Das Publikum jubelt lautstark, aber innerlich wird sich der ein oder andere fragen, wie lange das noch gut geht. Seit 39 Jahren steht Lemmy wie ein Fels in der Brandung, doch spätestens seit letztem Jahr gerät er ins Schwanken. Vor ihm auf dem Boden liegt ein riesiger Schlauch, der ihm Luft ins Gesicht pustet und den scheint er auch zu brauchen. Fast wie eine lebendige Statue wirkt der Sänger. Kein Schritt zu viel, kaum eine Kopfbewegung. Aber er schlägt sich wacker und hält die kompletten 75 Minuten durch. Wir erinnern uns: Im letzten Jahr musste der Auftritt vorzeitig abgebrochen werden.

Bei „Killed by Death“ gesellt sich ein weiteres Urgestein des Metal zu den Briten. DORO PESCH, die wohl jeder kennen dürfte, unterstützt Lemmy gesanglich und sorgt damit erneut für Jubelstürme. Mit „Ace of Spades“ und „Overkill“ endet der Auftritt der lebenden Legenden, der viele nachdenklich zurücklässt. Auf der einen Seite ist es immer toll, Lemmy, „Wizzö“ und Mikkey Dee zu sehen. Auf der anderen Seite möchte man sie so kraftvoll in Erinnerung behalten, wie sie vor einigen Jahren noch waren.


Eine weitere, ebenfalls als Veteranen zu bezeichnende Band schließt den Abend ab: SLAYER! Allerdings wollen die alten Herren diesmal keine 08/15 Show abliefern wie z.B.: als Vorband von Metallica. Nein, diesmal gibt es eine exklusive Bühnenshow die man bisher in Europa noch nicht gesehen hat. Zwei Bühnenhohe umgedrehte Kreuze aus Marshall-Amps dazu Feuer und Flammen generieren eine passende Atmosphäre. SLAYER spielen druckvoll, energetisch und präzise wie ein Uhrwerk ihr Set das jeder Fan sofort ausrastet. Was Araya, King und Kollegen hier abliefern, ist mehr als amtlich. Als Abschiedssong haben sich die Thrash-Legenden „Angel of Death“ ausgesucht. Als Backdrop das mittlerweile bekannte  Jeff Hanneman - Still Reigning. Ich glaube, dass war die fetteste und beste Show die ich in den letzten 15 Jahren von Slayer gesehen habe – wenn nicht sogar die Beste.

Der Freitagabend wird für mich mit einem weiteren Highlight beendet. Der King ist wieder mal in Wacken! Der zweite Besuch insgesamt und der erste mit seinem Soloprojekt KING DIAMOND. Mit ordentlich theatralischer Bühnenshow und der, die Metalgemeinde spaltenden, Falsett-Stimme werden die musikalischen Werke von „Fatal Portrait“ bis „Give Me Your Soul... Please“ zelebriert. Über allem leuchten zwei große umgedrehte Kreuze und das Baphomet-Siegel der Church of Satan. Besser kann ein Abend nicht ausklingen.

Der Samstag beginnt gleich fulminant mit ARCH ENEMY. Bekannt druckvoll aber mit neuer Dame am Mikrofon: Alissa White-Gluz. OK, sie ist jung, ziemlich hübsch und stimmlich auf dem Niveau ihrer Vorgängerin Angela Gossow. Bei alten Songs fehlt mir aber ab und zu die liebgewonnen Betonungen bei einigen Passagen oder einzelne Screams und Growls an die man sich gewöhnt hat. Die Fans sind dennoch begeistert und feiern das Energiebündel als würdige Nachfolgerin.
 
Die Mittagssonne brennt nach wie vor unermüdlich vom Himmel und lässt sich auch von den düsteren Vorzeichen auf das kommende polnische Gewitter nicht einschüchtern. BEHEMOTH versuchen auch um diese Tageszeit ihre präzise und energiegeladene Show angemessen zu präsentieren. Unter anderem mit „Conquer All“, „The Satanist“ und „Ora pro nobis Lucifer“. Man hat allerdings das Gefühl, dass das letzte Quäntchen fehlt und die Jungs nur einen  guten aber nicht überragenden Auftritt abliefern.
 
Weiter geht es mit einem der Highlights des diesjährigen Festivals. Die Black-Metal-Könige Emperor zelebrieren den 20. Geburtstag ihres Kultwerks “In The Nightside Eclipse” zwar bei strahlendem Sonnenschein, aber dennoch mit eindeutig frostigem Hauch. Ihsahn könnte auch als Hippster durchgehen aber macht man vor der Bühne die Augen zu, so ist da sofort die dichte Atmosphäre, der markante Gitarrensound und das Gefühl von true norwegian Black Metal. Großer Respekt – ich hätte nicht gedacht, dass die Jungs das Album und den 90er Sound 2014 so gut auf der Bühne rüber bringen.
 
Dieses Jahr werden wieder kostenlose Wasserspender zur Verfügung gestellt. Der Andrang ist entsprechend groß, so dass ich DEVIN TOWNSEND nur aus der Entfernung wahrnehmen kann. Der Kandier ist anscheinend wie immer bester Dinge und bringt in seinen Ansagen auch Witz mit auf die Bühne. Die Show wird zwar durch technische Probleme bei den Leinwänden etwas gemindert aber Devin lässt sich davon nix anmerken.

Jetzt kann gefeiert werden! HATEBREED betreten die Party Stage. Die Stimmung ist bei Jamey Jasta und seinen Jungs immer ausgelassen und reißt einen unmittelbar mit einen Moshpit zu starten oder einfach nur kopfnickend abzufeiern. „Destroy everything“ darf natürlich nicht fehlen und beschreibt die Situation vor der Bühne recht gut.

Eine weitere besonders gute Show bieten dieses Jahr AMON AMARTH . Die Nordmänner rocken von Anfang an und setzen beinahe die Bühne in Brand durch den übermäßigen Gebrauch ihrer unverkennbaren Pyrotechnik. Diesmal haben sie neben großen Runen auch zwei Drachenköpfe mit dabei. Bei Songs wie „Guardians Of Asgaard“, „Twilight Of The Thunder God“ oder „Death In Fire“ beziehen sie sie in ihre Performance mit ein, indem sie darauf headbangen und ordentlich Nebel in die Menge pusten.

MEGADETH starten mit Pleiten, Pech und Pannen. Vor allem technische Probleme beim Intro führen zu hochgezogenen Augenbrauen im Publikum. Dave Mustaine ist aber Profi und liefert im Anschluss mit Megadeth eine solide und gut Show ab. Die Hits sind alle dabei und somit das Publikum zufrieden.

Es war wieder einmal großartig. So wie jedes Wacken bisher. Gerade im direkten Vergleich zur Nummer 24 fehlt vielleicht das letzte i-Tüpfelchen um repräsentativ für eine Jubiläumsausgabe zu sein, aber das ist schon meckern auf hohem Niveau.
Das sehen die Fans aus aller Welt wohl genau so, denn es hat gerade einmal 12 Stunden gedauert die 75.000 Tickets für’s Wacken 2015 zu verkaufen. Neuer Rekord!

Autor: Pierre
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