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18th
Jul 10

Rock am Bach 2010

Bericht vom größten saarländischen Punk-/Hardcore-/Metal-Festival
EN St Wendel - Bostalsee

Bericht vom größten saarländischen Punk-/Hardcore-/Metal-Festival

Location: St. Wendel – Bosenbachstadion
09./10.07.2010
Ca. 12000 Besucher

Tag 1
Am vergangenen Wochenende stand das alljährliche Rock am Bach Festival im Saarland an. In diesem Jahr luden die Veranstalter zum ersten Mal nach St. Wendel ins Bosenbachstadion und der Wettergott meinte es mit strahlendem Sonnenschein bei rund 40° im Schatten schon etwas zu gut. Auf dem Programm standen viele nationale und internationale Größen aus dem Punk-, Hardcore-, Metal- und Rock-Bereich und es sollte ein denkwürdiges Wochenende werden.

Auf Grund enormer Gluthitze am frühen Freitag Mittag verpasste ich die beiden ersten Bands, die lokale Alternative-Rock-Band Blurred by Rain aus dem benachbarten Türkismühle und die Ska-Punks der Sondaschule und hing lieber gemütlich mit meinem Kumpel Peter im schattigen Backstagebereich mit jeder Menge kühler Getränke ab. So waren es dann die Götheborger Thrash-Metal-Helden The Haunted, die uns zum ersten Mal so richtig vor die Bühne lockten. Die Schweden hatte ich bis dato noch nie live gesehen und durch ihren schnellen Thrash-Metal wurde ich aus meiner temperaturbedingten Lethargie gerissen. Hat Spaß gemacht, auch wenn vor der Bühne noch nicht besonders viel los war und die Sonne unaufhörlich vom Himmel brannte.

Pic by Zechi

Ein großer Crowbar Fan war ich eigentlich nie, kenne die Truppe aus New Orleans aber schon seit Ewigkeiten und so war es nett, die Band auch endlich mal live zu sehen. Sauheiß war es zwar immer noch, aber die Truppe um Sänger/Gitarrist Kirk Windstein zeigte sich spielfreudig und ihr Sludge-Core/Doom-Metal bei meist gedrosseltem Tempo war bei den Temperaturen auch nicht das Schlechteste. Alles in allem war ich sehr positiv überrascht, denn ich fand den Auftritt von Crowbar richtig gut.

Pic by Zechi

Mit den Kanadiern Alexisonfire wurde es dann etwas melodischer und die ersten Songs fand ich auch noch richtig gut. Die Band zeigte sich trotz des Wetters sehr agil und sorgte für mächtig Stimmung, insbesondere auch bei den weiblichen Besuchern. Es wurde auch immer voller vor der Bühne, aber leider beschränkten sich Alexisonfire fast ausnahmslos auf neuere Songs der beiden letzten Alben und obwohl ich die aktuelle Platte auch ganz okay finde, so hätte ich doch gerne noch ein paar alte Songs à la „44 Caliber love letter“ gehört. Zwischendurch wurde das Publikum immer wieder mit einer kühlen Dusche der örtlichen Feuerwehr versorgt, was wenigstens kurzzeitig etwas Abkühlung verschaffte.

Pic by Zechi

Pünktlich zur Bostoner New School Hardcore Band Converge war ich dann wieder vor der Bühne und auch die Herren um Schreihals Jacob Bannon machten ihrem Ruf mal wieder alle Ehre. Sehr schwer zugängliche Songs voller technischer Raffinessen irgendwo zwischen New School Hardcore, Extreme-Metal und Chaos-Core.wurden dem Publikum entgegen geschmettert und da eine Band wie Converge eben polarisiert, war es vor der Bühne deutlich leerer als noch bei Alexisonfire. Aber diejenigen, die vorne standen, feierten die Band ab. Mir waren sie an diesem heißen Sommertag irgendwie zu anstrengend, aber Hits wie „Dark horse“ vom aktuellen Longplayer „Axe to fall“, „No heroes“ oder „The broken vow“, das am Ende des Sets gespielt wurde, waren trotzdem großartig.

Pic by Zechi

Danach dann Danko Jones mit einer richtig guten Rockshow. Der Kerl hat einfach Entertainer-Qualitäten, gute, zeitgemäße Rock-Songs inklusive einiger Hits und vor der Bühne wurde es jetzt richtig voll. Die Stimmung erreichte den bisherigen Höhepunkt des Tages uns so gab es sowohl auf als auch vor der Bühne jede Menge strahlender Gesichter. Hat Spaß gemacht, auch wenn ich mir trotzdem nicht die ganze Show angeschaut habe.

Pic by Zechi

Auf den Auftritt der Sindelfinger Punkrocker Wizo, die anlässlich ihrer Reunion in diesem Sommer einige Festivalauftritte absolvieren, waren im Vorfeld viele sehr gespannt. Ich hatte dagegen eher geringe Erwartungen, da ich die letzte reguläre Studioplatte richtig scheiße fand und auch ihr Auftritt 2003 bei Rock im Wald in Pirmasens, wo ich die Band zuletzt live gesehen hatte, war mir noch in denkbar schlechter Erinnerung mit oberpeinlichen Ansagen, durchwachsener Songauswahl und albernen weißen Anzügen. So schlimm wurde es dann diesmal aber zum Glück nicht. Wizo beschränkten sich vor allem auf die alten Platten und so wurden die alten Hits wie „Kopfschuss“, „Kadett B“, „Raum der Zeit“ oder „Das goldene Stück“ vom kompletten Publikum mitgesungen. Vorne wurde wild gepogt, aber auch bis in die hinteren Reihen wurde getanzt und lauthals mitgesungen. War schon erstaunlich wie textsicher ich größtenteils noch war, obwohl ich die Songs schon lange nicht mehr gehört habe. Gegen Ende des Sets wurden dann auch noch „Die letzte Sau“ gespielt und natürlich durfte auch „Kein Gerede“ nicht fehlen. Wizo zeigten sich an diesem Abend auf jeden Fall besser als erwartet, auch wenn der letzte Funke zumindest bei mir dann doch nicht ganz übergesprungen ist.

Pic by Zechi

Headliner des Abends waren die Amis Flogging Molly, die mit ihrem Irish-Folk-Punk nochmals für gute Stimmung sorgten. Da ich damit aber wenig anfangen kann, hab ich mir ihren Auftritt nur kurz angeschaut. Stattdessen bin ich lieber noch schnell Backstage unter die Dusche gesprungen, um mich frisch für die Aftershow-Party zu machen. Die Party fand in einer riesigen Turnhalle, direkt neben dem Campinggelände statt und nachdem Peter und ich die ersten Hits aufgelegt hatten, kamen dann nach und nach auch noch einige Leute rein und es wurde noch nett gefeiert und getanzt. Da es aber immer noch sehr warm war, saßen aber mindestens genauso viele Leute wie drin waren noch vor der Tür und machten dort Party. Insbesondere Andre, der Shouter der Nordhausener Vegan Edge Metalcore Band Maroon, die am nächsten Tag ihren Auftritt hatte, und unser Kumpel Daniel zeigten sich in bester Tanzlaune und das auch immer wieder bei Songs bei denen man es von ihnen nicht erwartet hätte. Gegen 3 Uhr in der Früh war dann Ende und so gegen kurz nach 4 Uhr lag ich dann bei Peter auf der Couch, da wir am nächsten Abend ja noch mal auf der Aftershow-Party ran mussten und dafür ausgeruht sein wollten.

Pic by Zechi

Die Fotos vom ersten Tag findet ihr HIER

Tag 2

Am nächsten Tag verpassten wir die ersten Bands, da wir lange schliefen und es schon wieder drückend heiß war. Die Thrash-Metaller Evile aus England habe ich nur am Rande mitbekommen und so waren dann Maroon, die erste Band, die ich mir bewusst anschaute und die Jungs legten einen wirklich starken Auftritt hin. Die Band hatte sichtlich Spaß, war gut gelaunt und das wirkte sich auch auf die Stimmung im Publikum aus. Zum deftigen Metalcore der Nordhausener gab es erste Bewegung im Pit und eine Mini-Wall of Death gab’s auch noch. Gelungener Auftritt.

Pic by Zechi

Die englische Grindcore-Legende Napalm Death hab ich nur nebenbei mitbekommen. Das gnadenlos schnelle Geballer war mir bei den Temperaturen viel zu stressig und so zog ich es vor für Flüssigkeitsnachschub zu sorgen und mit Bekannten zu labern.

Pünktlich zu Suicidal Tendencies war ich aber wieder vor der Bühne und die Truppe um Frontmann Mike Muir legte mit „You can’t bring me down“ sofort gut los und im Pit ging es auch ordentlich ab. Die Band aus Venice Beach bot ein schönes Best-Of-Set, wobei auch viele alte Hits wie „Possessed to skate“, „Institutionalized“ oder „I saw your mommy“ gespielt wurden. Mike Muir tobte wie früher von rechts nach links auf der Bühne und beim letzten Song kam das Publikum gerne seiner Aufforderung nach die Bühne zu entern. Hat Spaß gemacht, auch wenn das Fehlen von „Join he army“ einige Unmutsäußerungen in meinen Bekanntenkreis zur Folge hatte. Ansonsten aber echt gut.

Pic by Zechi

Weiter gesteigert wurde die Stimmung und Action im Moshpit im Anschluss bei der New Yorker Hardcore-Legende Sick of it all. Auch nach rund 25 Jahren Bandgeschichte zeigen die vier New Yorker mal wieder eindrucksvoll, warum sie zu den ganz großen Bands des Genres zählen. Ein exzellenter, dynamischer Auftritt, der eine gute Mischung aus alten Hits wie „Step down“, „Friends like you“ oder „Scratch the surface“ und neueren Songs wie „Uprising nation“ oder „Take the night off“ bot und auch die ganz neuen Stücke vom gerade erschienen Album „Based on a true story“ wie „Death or jail“ oder das hymnische „A month of Sundays“, das bereits jetzt lauthals mitgegrölt wird, fügten sich perfekt in das Set ein. Schön anzusehen war auch der riesige Circlepit um den hinteren Wellenbrecher. Klar der ein oder andere ältere Hit wurde nicht gespielt, aber wenn es danach gehen würde, müssten die Jungs wohl mindestens zwei bis drei Stunden spielen. Nach „Us vs them“ war dann leider zu schnell Schluss, aber dafür blieb mir Zeit, um noch das Ende des WM-Spiels um Platz 3 zwischen Deutschland und Uruguay zu sehen. Na ja viel gesehen hab ich zwar nicht, da Backstage etwa 15 Leute um einen klitzekleinen Laptop-Bildschirm saßen, aber schön war’s trotzdem noch ein paar Blicke zu erhaschen zum Abschluss der WM und zumindest Dritter sind wir dann ja doch noch geworden.

Pic by Zechi

Die US-Metalcore Heroes Killswitch Engage sah ich zum ersten Mal live; hatte sich irgendwie bisher nie ergeben. Die Band, um Sänger Howard Jones, der nach seinem zwischenzeitlichen Ausstieg wieder mit an Bord war, ging live schon gut ab, aber irgendwie sah das Alles einstudiert aus. Rockshow halt. Da waren Sick of it all im direkten Vergleich einfach viel authentischer. Gut war der Auftritt trotzdem und jede Menge Hits wurden auch gespielt. Am Himmel begannen die ersten Blitze ein heftiges Unwetter anzukündigen, aber glücklicherweise ging es so richtig erst nach dem Konzertende los.

Zum Abschluss stand dann noch die Aftershow-Party an und die wurde wirklich denkwürdig. Gegen 1 Uhr wurde der Campingplatz wegen des starken Unwetters vorsichtshalber evakuiert und die Leute in die Turnhalle gebracht, wo auch die Aftershow-Party stattfand. Leider mussten dann erstmal das Licht an und die Musik leise bleiben, aber nachdem dann alles geklärt war und die Lage unter Kontrolle war, musste das Licht zwar an bleiben, aber wir durften wenigstens die Musik wieder einigermaßen aufdrehen und jetzt ging die Party erst so richtig los. Die Halle war voller Leute, es wurde viel getrunken, getanzt und mitgesungen. Stagedives gab es auch einige und auch ein Circlepit und Polonaise durch die Halle durften nicht fehlen. Hinter unserem DJ-Pult wurden mit einem Skateboard Tricks über eine Bank gezogen. Einige flitzten nackt durch die Menge und es wurden tonnenweise Dancemooves ausgepackt. Hat richtig Spaß gemacht und war der krönende Abschluss des Festivals. Als wir um 3 Uhr Schluss machen mussten, packte ein Typ seine Akustikgitarre aus und schnell sammelten sich rund 30-40 Leute um ihn und es wurden noch fleißig Lieder gesungen. Danach ging unsere Party noch bis kurz nach 6 Uhr vor der Halle weiter, bevor wir dann endlich zu Hause waren.

Pic by Zechi

Rock am Bach 2010 war auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg auch wenn es etwas weniger Besucher als im letzten Jahr gewesen sein dürften. Aber man hat halt auch nicht jedes Jahr einen Headliner wie Motörhead. Das neue Gelände inklusive des Campingplatzes war richtig schön, die Organisation war top und jede Menge gute Bands gab’s obendrauf. Tausend Dank an alle, die noch so geil mit uns Party gemacht haben. Ich freu mich jetzt schon auf’s nächste Jahr. Wir sehen uns.

Die Fotos vom zweiten Tag findet ihr HIER

Autor: Zechi
Magazine established by Pierre Brost in 2003 with Michael Hohmann
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