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22nd
Jul 12

Steven Wilson

One Night With Steven Wilson
ENGuest: Steven Wilson

Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

NC-Pierre: Hallo Steven, ich freue mich dich in einem Interview haben. Wie waren die ersten Shows der Tour bisher?

Steven Wilson: Fabelhaft, die ersten Shows die wir im Oktober letzten Jahres für das Solo-Projekt gespielt haben waren großartig. Die ersten Shows für diese Tour waren auch sehr gut. Im Vergleich zu der Tour im Oktober wo wir nur in großen Städten gespielt haben, spielen wir jetzt Shows in kleineren Städten. Aber egal wo, es war überall großartig und ich liebe es mit dieser Band zu spielen.
 

NC-Pierre: Dein musikalischer Output ist ja enorm, Porcupine Tree, Storm Corrosion, No-Man, Blackfield und dein Solo Projekt aber auch viele Produktionen und Mixing im Studio! Wie bekommst Du das alles gemanaged?

Steven Wilson: Nun ja, ich denke ich mache schon seit über 20 Jahren Musik, das ist eine lange Zeit und ich habe auch viele Alben veröffentlich z.B. mit gewirkt, das ist richtig. Viele Leute denken ich hätte überall mit gearbeitet nur weil mein Name auf dem Album auftaucht. Aber bei vielen Veröffentlichungen habe ich nicht die Musik geschrieben sondern wie Du auch weißt nur das Mixing gemacht, wie z.B. das aktuelle Opeth Album "Heritage". Aber das ist ja meisten immer nur ein Aufwand von ca 10 Tagen den ich dafür aufbringe. Aber in meiner aktuellen Kreativphase habe ich gerade mal 2 Alben in den letzten 3 Jahren geschrieben. Das eine ist "Grace For Drowning" und das gerade veröffentlichte "Storm Corrosion" Album mit Mikael. Und wenn Du da mal drüber nach denkst ist das nicht wirklich viel. Natürlich ist in dieser Zeit mein Name auf viele Alben zu lesen wie z.B. beim "Blackfield" Album was gerade raus gekommen ist, oder auf dem aktuellen "King Crimson" und "Jethro Tull" sowie Opeth Album. Aber eigentlich das sind nur kurze Verpflichtungen. Meine eigentliche Kreativität spiegelt sich in den letzten 3 Jahren nur in diesen beiden Veröffentlichungen wieder. Aber es ist schon richtig, in meiner Karriere war ich an vielen Alben beteiligt, sei es als Musiker oder im Studio.
 
Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
und Pierre im Interview

NC-Pierre: Dein aktuelles Solo Album "Grace for Drowning" wurde im September letzten Jahres veröffentlicht, wie war das Feedback zu deinem zweiten Album?

Steven Wilson: Oh erstaunlich, ich meine ich hatte es Ende des Jahres mal bei Facebook gepostet. Ich hatte bisher in meiner gesamten Karriere kein Album was so viel positives Feedback bekommen hat. Das ist toll. Besonders weil es ja komplett auf meinem Mist gewachsen ist und ich mit niemand anderem daran gearbeitet habe. Dadurch wurde es auch etwas experimenteller. Nicht so wie das was die Leute sonst so von meiner Arbeit bei "Porcupine Tree" oder "Blackfield" her kennen. "Grace For Drowning" war kein einfaches Album, um so mehr freut es mich, dass die Reaktion darauf so überwältigend ist. Das ist echt großartig, weiß du. Es ist toll das Jahr zu beenden und sagen zu können, dass man sehr Stolz und zufrieden mit dem Album ist, woran man das ganze Jahr geschrieben hat. Und das Feedback der Fans bestätigt mich. Mal funktioniert es mal funktioniert es nicht. Man kann Alben machen, auf die man selber sehr Stolz ist aber diese bei den Publikum nicht wirklich ankommen. Aber es kann auch das Gegenteil eintreten das man ein Album gemacht hat von dem man nicht 100% überzeugt ist, es aber beim Publikum sehr gut ankommt. Aber ich habe bisher in meiner Karriere und besonders in diesem Fall beides. Ich bin sehr zufrieden und die Fans auch.
 

NC-Pierre: Deine Karriere hast du Schritt für Schritt über die Letzten 20 Jahre aufgebaut, erzähle uns ein wenig darüber.

Steven Wilson: Ja, aber ich denke je länger eine Karriere ist um so schwerer ist es die Fans zu befriedigen. Denn jeder Fan hat ein bevorzugtes Album das für ihn das Beste ist und das ist in der Regel auch das mit dem er mich entdeckt hat. Nur als Beispiel, viele Fans sind erst durch das "Porcupine Tree" Album "In Absentia" auf meine Musik aufmerksam geworden. Für Sie ist es das Album. Und das kann ich ja auch verstehen, denn es geht mir ja auch so mit gewissen Künstlern die ich mag. So ist es manchmal schwierig, neue Arbeit auf die Welt loszulassen. Genau so hart ist es dann auch auf die Reaktion zu warten. Also diesmal war es für mich sehr zufriedenstellend und ich war echt überrascht, dass es generell eine sehr positive Reaktion gab.

 
Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

NC-PIERRE: FÜR DEIN SOLOPROJEKT SUCHST DU DIR IMMER EXZELLENTE MUSIKER AUS! DU KENNST JA VIELE MUSIKER, ABER WIE WÄHLST DU FÜR SOLCH EINE TOUR DIE RICHTIGEN AUS?

Steven Wilson: Steven Wilson: Dieses mal hatte ich recht klare Vorstellungen Ich wollte einen Mix aus Jazz- und Rockmusiker haben. Ein Ding bei "Grace For Drowning" ist,, dass die Fusion zwischen Rock und Jazz auch Live raus kommen muss. Das ist für mich so eine Sache, die aus den frühen 70's stammt, und die passen musste. Und heutzutage ist das eine Sache die nicht mehr so viele beherrschen. Wenn du mal auf die 70's zurückschaust, da gab es all diese Bands wie z.B. "King Crimson", "Jethro Tull", "Soft Machine" und "Van der Graaf Generator" oder auch "Miles Davis". Bei diesen Bands gab es eine Menge an Crossover zwischen Jazz- und Rockeinflüssen. Also wollte ich in dem Fall wenigstens eine Art Balance zwischen Jazz--und Rockmusiker. Ja das ist schon richtig, dass ich viele Musiker an sich kenne, aber ich kenne leider nicht so viele Jazzmusiker, denn das ist ja allgemein nicht so das Genre in dem ich Arbeite. Somit habe ich etwas herum gefragt, ob mir jemand einen guten Saxophon- und Flötenspieler und einen Keyboarder in dem Bereich empfehlen kann. Ich habe dann ein paar Vorspielen lassen und am Ende habe ich diesen großartigen Keyboarder "Adam Holzmann" aus New York gefunden. Er ist der alte Keyboarder von "Miles Davis" aus den 80's. Als ich das hörte, sagte ich mir "Yeah, das wird mein Mann sein." Ich fand ihn quasi über eine Jazz Connection, sowas zahlt sich aus. Marco der Drummer wurde mir von Simonie Paypale empfohlen. Den Namen "Marco Minnemann" hatte ich schon mal irgendwo gehört und Simonie erzählte mir "Marco ist ein sehr guter und flexibler Drummer,. Genau so wie Gavin". Aber als es zu meinem Soloprojekt gekommen ist, war für mich klar, dass ich keine Musiker aus der Vergangenheit mit einbinden wollte. Ich wollte etwas komplett neues haben. Somit habe ich Marco abgecheckt und bin sehr glücklich, dass er interessiert war und , dass ihm meine Musik gefällt und er dafür zur Verfügung stand. "Nick Beggs" wurde mir vom Gitarrist "Steve Hackett“ empfohlen. Denn Nick hatte schon bei Steve gespielt. Er hat einen tollen Look, eine super Persönlichkeit und er ist ein großartiger Bassist. Die Position des zweiten Gitarristen, das ist echt kurios und witzig, war das größte Problem. Du kannst Dir ja vorstellen das ich eine Menge an guten Gitarristen kenne, die findet man ja überall. Aber einen Gitarristen zu finden der diese Parts spielen kann.., Ich meine, diese sind nicht wirklich sehr schwer, aber es ist mehr das Ding des Sound-Designs. Eine Menge meiner Gitarrensounds sind nicht normale Gitarrensounds, denn Sie sind alle ein wenig abstrakt und etwas impressionistisch. Und somit war es etwas schwierig einen Gitarristen zu finden der diese Art von abstrakten, esoterischen Sound mit sich bringt. Ich hatte auf dieser Tour 3 Gitarristen und ich denke Nick ist auf jeden Fall einer der wenigen der es mit am besten macht. Weißt Du, ein paar Freunde treffen und von ihnen Empfehlungen zu bekommen ist super, und so hat dann alles zueinander gefunden, auf eine glückliche Weise.
 

NC-PIERRE: WAS INSPIRIERT DICH ZU DEINER MUSIK, MUSIKALISCH GESEHEN?

Steven Wilson: Die Liste meiner musikalischen Inspirationen ist unendlich und ich finde sie nicht nur in der Musik selber, sondern auch aus dem Kino und Filmen usw. Viele Dinge verschmelzen auf eine gewisse Art und Weise mit mehreren Inspirationsquellen. Ich glaube nicht, dass ich es all zu sehr analysiere. Jedoch kann ich sagen, dass das was die meisten Leute in meiner Musik hören, viel Dinge sind, die ich in der Zeit als Teenager gehört habe. Denn als Teenager ist man wie ein Schwamm. Man saugt Dinge einfacher auf und sie prägen ein Stück deiner Persönlichkeit, und deiner DNA. Und ich find wenn man älter wird, wird es etwas schwieriger. Es gibt Dinge von denen ich sehr beeindruckt und inspiriert bin, aber diese sind nicht notwendig für meine musikalische Persönlichkeit. Ich denke, es ist einfach schwieriger Dinge zu absorbieren wenn man älter wird. Du kannst Dinge mögen, die aber nicht relevant sind, um ein Teil von Dir zu sein. Wenn man ein Teenager, oder noch ein Kind ist, hinterlassen diese Dinge einen großen Eindruck bei Dir. Als Junge habe ich viel progressiven Rock und Krautrock gehört und die ein oder andere Metal- und Rockmusik. Und ich glaube, dass vieles davon in meinen jetzigen Arbeiten durchkommt und auch zu hören ist.
 

NC-PIERRE: UND WAS INSPIRIERT DICH ZU DEINER MUSIK, LYRISCH GESEHEN?

Steven Wilson: In Bezug auf meine Texte dienten viele Erfahrungen in meinem Leben als Inspiration, z.B. Reisen, Menschen, Begegnungen. Es geht aber auch um Themen die mich ärgern, die mich traurig stimmen, aber auch genau so um Themen die mich glücklich machen. Von allem etwas. Aber vieles sind Themen die mich traurig machen oder mich beeindruckt haben, über die ich dann schreibe. Aber ich denke es gibt auf dieser Welt keine Knappheit an Themen, die einen ärgern oder traurig stimmten. Für mich sind das oft Dinge wie Beziehungen, Serienmörder oder Diebe der Kindheit. Es gibt viele Songs in denen ich auf eine Art und Weise über Themen schreibe wie z.B. dem Gefühl der verlorenen Kindheit und dem Verlust von Sinn und das Bedauern über Dinge aus der Vergangenheit. Halt Dinge die in der Vergangenheit verloren gingen. Zum Beispiel auch bei vielen "Porcupine Tree" Songs wie vom aktuellen Album "Time Flies" oder auf meinem aktuellen Solo Album der Song "Reform from a Star" beziehen sich darauf ,die Kindheit hoch zu halten.
 
Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Marco Minnemann
Foto: Pierre Brost

 

NC-PIERRE: WIE ENTWICKELST DU DEINE SONGS, WIE KÖNNEN WIR UNS DAS SONGWRITING VORSTELLEN?

Steven Wilson: Haaa…. Ich mache das wie alle anderen, mit einer Gitarre, einem Piano und mit einem Computer *Smile*. Ich könnte jetzt keinen bestimmten und einzigartigen Prozess erzählen wie ich da rangehe. Ich denke, der Prozess Songs zu schreiben, hat nichts mit gewissen Werkzeugen und der momentanen Situation, in der man sich selbst befindet, zu tun. Dieser Prozess ist allgegenwärtig und beginnt in der Regel mit einer Idee und/oder mit einer Vision in deinen Gedanken. Ich beginne da mit einem Piano oder der Gitarre, dem Computer und den Keyboards, aber ich denke das machen alle so. Somit beginne ich bei meiner Musik eigentlich wie immer mit den selben Tools. Für mich gibt es da keinen besonderen Prozess. Aber natürlich hat jeder seine eigene Art und Persönlichkeit wie er mit dem Schreiben neuer Songs beginnt. "NC-Pierre: Schade eigentlich, darüber hätte ich gerne mehr erfahren"
 
Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

NC-PIERRE: DIE DAUER DEINER SONGS SIND MEISTENS ETWAS AUSGEDEHNTER, WO IST FÜR DICH DER REIZ, DIE SONGS IN DIE LÄNGE ZU ZIEHEN UND DASS SIE SICH AUFBAUEN?

Steven Wilson: Nun, ich denke an zwei Dinge. Als erstes… Wenn ich Songs Scheibe und Songs höre, will nicht nicht auf Anhieb wissen wie deren Struktur voranschreitet. Wenn ich mal aus meiner Sicht des Zuhörers spreche, ist das folgendermaßen. Wenn ich mir einen Song anhöre und ich exakt durchschaue in welche Richtung die Songstruktur einen leitet, ist das für mich auf eine gewisse Art langweilig. Und als zweites… ich mag die Interaktion von Kino, Filmen und der Idee ein Stück Musik, welches dieses Kinoerlebnis verstärkt um damit die Geschichte zu unterstützen und zu thematisieren. Und diese Interaktion funktioniert, wie ich finde, für mich sehr gut. Die Ideen in vielen meiner Songs sind die Wechsel von Stimmungen, von Gefühlen über den gesamten Song hinweg. Das was man bei den meisten populären Songs, die eine Spielzeit von 3, 4 oder 5 Minuten haben, ist eine konstante Stimmung. Der Song ist entweder fröhlich, traurig, oder zornig usw. aber es bleibt bei der einen Stimmung. Was man in meiner Musik findet, aber nicht nur in meiner Musik, denn es ist ja auch die Musik von den Leuten mit denen ich zusammen arbeite, ist die Fähigkeit, dass die Musik mehr ins filmische geht, dass man mehr wie ein Regisseur denkt ,indem man einen gewisse Charakter in dieser Szene mehr fröhlich darstellt und in einer anderen etwas mehr tragisch oder auch auch traurig erscheinen lässt. Und dieses konstante Wechseln der Stimmung und der Gefühle mag ich sehr. Als Grundlage oder als Plan für meine Musik funktioniert das für mich einfach sehr gut. Denn das macht es einfach interessanter und weniger vorhersehbar für die Zuhörer. Eine Art emotionale Reise in einem Song, ein Stück Musik die einen bewegt und mitzieht. Ich mag das und ich denke, das ist das Beste. Ich meine, klar ich habe auch kurze Songs geschrieben, auf die ich Stolz bin. Aber was ich am besten kann, sind wohl die langen Songs, die vom Ansatz her mehr in eine filmische Art gehen.
 

NC-PIERRE: DEINE MUSIKALISCHEN EINFLÜSSE LIEGEN JA GANZ KLAR IM PROGRESIVE-ROCK DER 70ER JAHRE, WIE TRANSPORTIERST DU DIESE EINFLÜSSE AUF DIE MUSIK DIE DU MACHST?

Steven Wilson: Ich denke nicht wirklich, dass es ein intellektueller Prozess ist. Weißt du, es ist mehr so wie ich es eben auch schon sagte. Ich denke, wenn man ein Teenager ist, dann wird deine musikalische Persönlichkeit meistens von dem geprägt, was man auch an Musik hört. Nur mal als Beispiel. Ich kenne viele Musiker die sehr erfolgreich in einer Heavy Metal Band spielen. Sie hören Metal nicht erst seit ein paar Jahren, sondern sie sind damit weitestgehend als Teenager. Damit aufgewachsen. Und die meisten in Ihrem Publikum hört diese Art von Musik auch schon seit sie ein Teenager waren. Das war in den 40's so, in den 50's und ist auch heute noch so. Und sie machen immer noch diese extreme Metal Musik, denn es ist eine Form Ihrer musikalischen Persönlichkeit als Sie noch Teenager waren.

Die Antwort auf deine Frage ist... ich denke, ich bin irgendwann an einen Punkt in meinem Leben angelangt, wo ich Vertrauen in mich selbst gefunden habe und in der Lage war jede Art von Musik zu machen, und manchmal etwas ganz gegenteiliges zu meinem Referenz-Punkten und zu dem wo man sich gelegentlich bedient, zu machen. Aber ich glaube an mich und es hört sich auch nach mir an. Ich glaube auch daran, dass meine musikalische Persönlichkeit stark genug ist, dass es keine Rolle spielt wo man sich bedient oder sich etwas ausgeliehen hat. Weiß Du… Das tatsächlich einige Leute sagen "Oh ich sehe wo diese Idee her kommt…." das mag schon sein. Aber was am Ende bleibt ist, dass es dennoch nach einer Steven Wilson Scheibe klingt. Und das ist es auch was die Leute in der Regel so zu mir sagen. Ich denke, in diesem Sinne ist es quasi wie archiviert. Und ich glaube, seien wir mal ehrlich, es ist im Jahre 2012 nicht mehr möglich etwas quasi "originales" also was wirklich 100% neues zu schaffen. Es ist einfach nicht möglich. Jedes Extrem an Musik wurde schon einmal geschrieben, jede möglich Mischung zwischen unterschiedlichen Genres gibt es schon, Du weißt schon, wie es auch immer ist. Country mit Hip Hop, Death Metal mit Ambient Musik, egal wie man es nennen will, es wurde schon gemacht. Und wahrscheinlich mit einer wirklich guten Leistung und Qualität. Und somit ist es quasi unmöglich etwas komplett "originales" zu machen. Und es ist unmöglich, Musik ohne einen Verweis, zumindest was die Vergangenheit angeht, in irgendeiner einer Weise zu erschaffen. Also, das einizge was man als Musiker machen kann, ist, zu versuchen Musik zu schreiben die möglichst viel der eigenen Persönlichkeit in sich trägt und eigene Erfahrung mit sich bringt. Und dann zu hoffen, dass es immer noch recht frisch klingt.
 
Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

 

NC-PIERRE: ALS SOLOKÜNSTLER SCHREIBST DU DIE SONGS JA SELBER OHNE RÜCKSICHT AUF ANDERE NEHMEN ZU MÜSSEN! BRAUCHST DU DIESE FREIHEITEN NEBEN DEINER TÄTIGKEIT BEI PORCUPINE TREE?

Steven Wilson: Ja schon, weil ich der Meinung bin, dass man als Solo Künstler komplett egoistisch sein kann wenn man seine eigene Musik schreibt und keinerlei Rücksicht auf andere und deren musikalischen Geschmack nehmen muss. Das Ding bei "Porcupine Tree" ist ja, dass wir eine Band sind. Auch wenn ich ein Großteil der Musik selber schreibe, habe ich immer im Hinterkopf, dass es den anderen 3 Mitgliedern auch gefallen muss. Ich habe schon eine Grundidee wie die Band klingen soll und beim Schreiben ist diese Idee immer präsent und ich achte darauf in diese Richtung zu gehen bzw. diese Grundidee nicht aus dem Auge zu verlieren. Wenn ich für mich selber Musik schreibe, habe ich keinerlei Limitierung in dem was ich tun will. Und dass in dieser Art ist die für mich reinste Form des musikalischen Ausdrucks, Songs zu schreiben die komplett alleine aus der eigenen Feder kommen. Also es ist schon ziemlich wichtig für mich, in der Lage und der Situation zu sein, in der ich alles alleine machen kann.
 

NC-PIERRE: OH JA, ICH DENKE DAS IST ABER DOCH GANZ NORMAL FÜR EINEN MUSIKER, DAS MAN HIER UND DA SONGPARTS SCHREIBT, DIESE ABER DANN NICHT IN DIE EINE ODER DIE ANDERE BAND PASSEN!

Steven Wilson: Ja, ich denke, das ist zum Teil richtig. Als ich das Solo Projekt gestartete, hatte ich weitestgehend keine Songs oder Teile übrig, zumindest keine von denen ich mir vorstellen konnte das sie auf dem Album enden würden. Auf meinem ersten Solo Album habe ich alle Song komplett neu geschrieben in einer Art und Weise wie ich Sie nicht für "Porcupine Tree" geschrieben hätte. Und ich habe realisiert das eine Menge Musik in mir steckte die bis zu diesem Zeitpunkt einfach nur nicht raus kommen wollte. Es ist sehr einfach, wenn Du in einer Band wie "Porcupine Tree" spielst die sehr erfolgreich ist, dort kommt es dann vor das man in einer Art Schleife fest hängt, Album für Album… und man keinen Schritt zurück geht… und dann zu sich sagt "Was haben wir im Moment eigentlich musikalisch noch zu sagen?". und genau das haben wir uns nach "The Incident" gefragt! Wir haben uns zusammen gesetzt und beschlossen einen Schritt zurück zu gehen, denn zur Zeit gibt es einfach nichts mehr zu sagen, zu schreiben usw… lasst uns eine Pause machen. Und ich denke das ist sehr wichtig, nicht nur für mich, sondern für uns alle, um zu beschließen das bei "Porcupine Tree" im Moment nichts neues kommen wird. Ich würde mir wünschen das diese Entscheidung mehr Bands für sich treffen würden, denn Du weißt ja auch wie das ist, die meisten Bands gehen von Album zu Album um schnell wieder im Geschäft zu sein und auf Tour zu gehen. Aber eigentlich wünschten Sie sich insgeheim endlich mal eine Pause einlegen zu können um neue Inspirationen zu bekommen und etwas frischen machen zu können.
 
Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

NC-PIERRE: EGAL OB BEI DEINEM SOLOPROJEKT ODER BEI PORCUPINE TREE. AUF DEN KONZERTEN HABT IHR IMMER VISUALS IM HINTERGRUND LAUFEN! WIE WICHTIG IST DAS VISUELLE BEI DER PERFORMANCE FÜR DICH UND WER ENTWICKELT DIESE VISUALS?

Steven Wilson: Derjenige der bei uns die meisten Visuals macht und auch die die Du heute Abend sehen wirst, ist der Däne "Lasse Hoile". Ich arbeite schon über 10 Jahre mit Ihm zusammen und er macht alle visuellen Aspekte. Er ist großartig und ich bin sehr glücklich dass ich mit ihm zusammen arbeiten kann. Nun ja, warum habe ich mit diesen Dingen angefangen… ich denke, es war einfach die Idee dahinter, das eine Konzerterfahrung mehr sein sollte als nur 4-5 Typen die auf der Bühne stehen und Ihre Songs vom neuen Album spielen. ich habe für mich einfach beschlossen das es eine Show sein sollte und nicht nur ein einfacher Gig. Eine audio-visuelle Erfahrung… und z.B. für heute Abend haben wir auch Visuals, sogar auf 2 Leinwänden und wir haben Quadrophonic Sound. Ich versuche einfach die Messlatte etwas höher zu legen, nicht nur ein Gig zu spielen, sondern ein Konzerterlebnis zu schaffen. Besonders auf diesem Level, wie man es von Roger Waters und Radiohead auf Ihren großen Station erwartet. Der Unterschied ist nur, dass wir hier in kleinen Clubs mit 300-500 Leuten spielen und dass keiner dieser Leute eine derartige Show erwarten würde. Ich versuche einfach diese Wahrnehmung zu ändern… Und warum auch nicht! Ok klar, wir sind hier und Clubs mit maximal rund 500 Besuchern. Aber warum soll man nicht auch hier dieses großartig visuelle Ding machen, und warum sollte man nicht auch einen Quadrophonischen Sound haben. Es ist natürlich etwas teurer, aber ich bin in dieser Position so etwas zu machen, denke ich. Und ich will halt auch einfach das die Besucher, wenn Sie nach Hause gehen, zu sich sagen "Das war eine unglaubliche Erfahrung mit Steven Wilson".

Dieses mal verwenden wir zum ersten mal den Quadrophonischen Sound. Das haben wir bisher noch nie versucht. Auch nicht mit "Porcupine Tree". Und ich habe mir einfach gesagt "Das ist meine Solo Tour und ich will dieses Soundsystem, ich will das der Sound auch von der Rückseite her kommt!". Ich glaube, heutzutage ist es schhwerer das Publikum zu beeindrucken. Es gibt so viele Bands und Konzerte. Es ist schwerer Tickets zu verkaufen, schwerer Platten zu verkaufen, blah blah blah. Und somit denke ich auf diesem Weg, dass man etwas anders machen muss, etwas mehr spektakuläres und etwas worüber die Leute auch sprechen. Und sie müssen drüber sprechen, um dich und deine spezielle Show, Freunden zu empfehlen. Und bei meiner Show, denke ich, dass die Leute nach Hause gehen und sehr beeindruckt sein werden. Und das hoffe ich auch.
 

NC-PIERRE: IN DEN FRÜHEN JAHREN DES PROGRESSIVE ROCKS HABEN JA UNTERANDEREM BANDS WIE PINK FLOYD SCHON TOLLE LIGHTSHOWS UND VISUALS IM HINTERGRUND ABGESPIELT. ABER IHR ZEIGT MIT PORCUPINE TREE RICHTIGE FILME, DIE SOGAR SYNCHRON ZUR MUSIK MITLAUFEN!

Steven Wilson: Ja das weiß ich, Floyd haben auch Visuals gehabt. Aber ich denke, aus der heutigen Sicht waren diese doch recht langweilig. Und das ist auch das was wir daraus gelernt haben. Denn für die heutigen Möglichkeiten, geht da natürlich mehr. Zuerst hat man so etwas ja während der psychedelischen Ära eingeführt. "NC-Pierre: Ja genau, ich kann mich noch an Folien-Projektoren erinnern, auf die man Glasgefäße, oder Schallplattenspielerdeckel gestellt hat, in denen man Wasser mit Öl und Farbe vermischt hat. Und durch die Hitze hat sich das Ganze dann angefangen zu drehen usw." Richtig, und dann gab es erst etwas später diese visuellen Sachen, die jedoch noch sehr statisch waren und mit viel Lichteffekten untermalt wurden. Erst mit der Zeit wurde es dann interessanter. Und genau das haben wir ja dann auch mit "Porcupine Tree" gemacht. Ich meine, wir haben nicht einfach nur da rumgestanden und unsere Instrumente gespielt, sondern hatten Visuals im Hintergrund laufen. Und ich denke wir sind da etwas mehr in dem Synchronisierten Ding drin, wo alles auf die Musik abgestimmt ist. Es ist mehr eine Art Performance und nicht nur deine eigene Persönlichkeit. Ich denke das Publikum braucht einfach mehr Visuals in Ihrem Fokus und das ist eine andere wichtige Sache, wie ich finde.
 

NC-PIERRE: ICH HABE DICH 2010 MIT PORCUPINE TREE IM THEATER IN KARLSRUHE, DIE SHOW WAR EIN TOLLES GESAMT-PACKAGE. DIE MUSIK, DIE VISUALS UND DIE LOCATION, ALL DAS ZUSAMMEN HAT ES ECHT ZU EINEM GANZ SPEZIELLEN ABEND GEMACHT! DU VERSUCHST SCHON IMMER, DASS DIE BESUCHER AUF EUREN KONZERTEN IN EINE GEWISSE STIMMUNG TRASPORTIERT WERDEN, QUASI IN EINE ANDERE DIMENSION?

Steven Wilson: Oh ja, großartig, hoffe ich. Es war schon eine gewaltige Erfahrung. Nun, wenn Dir das schon gefallen hat… Heute Abend wird es noch eine Nummer größer und mehr sein. Mit dem Sound und den Visuals wird es definitiv auf einem höherem Level sein. Und auf der gesamten Tour haben wir extra keine Support Band. Ich selber haben diese Entscheidung getroffen, ich wollte keine. Denn ich wollte, dass die Besucher in die Halle oder ins Theater kommen und total auf die Show fokussiert sind. Und wir haben heute Abend auch schon am Anfang Visuals und einen entsprechenden Sound, bevor wir überhaupt erst anfangen zu spielen. Ich denke das wird für uns schon etwas lang und hart heute Abend. Nicht nur die 2 Stunden während wir auf der Bühne stehen und spielen, auch die Zeit vor und nach der Show. In kleinen Clubs ist das Ganze dann auch nicht gerade einfach. Der eine Club öffnet etwas früher der andere etwas später… der andere Club will die Band hier oder dort, usw… Wir wollen keine Limitierungen und wir versuchen alles um die Show einzigartig zu machen. Wirklich, von dem Moment an wo Du durch die Türe kommst sollst du alles andere vergessen und dich wie an einem ganz speziellen Ort fühlen.
 
Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Marco Minnemann
Foto: Pierre Brost

Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Nick Beggs
Foto: Pierre Brost

 

NC-PIERRE: AM FREITAG WURDE DAS STORM CORROSION ALBUM VERÖFFENTLICHT! WIE IST ES ZU DIESEM PROJEKT GEKOMMEN UND ERZÄHLE UNS EIN WENIG ÜBER DIE ARBEIT MIT MIKAEL VON OPETH?

Steven Wilson: Ich kenne Mikael jetzt schon seit 10 Jahren und wir haben immer darüber gesprochen, einmal etwas zusammen zu machen. Schon als wir uns das erste mal getroffen haben. Aber wir sind bisher nie dazu gekommen und haben erst 2010 damit begonnen. Mikael ist zu mir rübergekommen, in mein Haus in England und bleib dann eine ganze Woche. Wir haben ein paar Trips unternommen, sind Schallplatten kaufen gegangen, haben viel Wein getrunken, haben uns Filme angeschaut und Musik gehört. Und dann haben wir uns an einem Tag, es war Anfang 2011, wieder getroffen und sind zusammen ins Studio gegangen. Ich glaube noch zu wissen, dass ich Ihm ein Paar Ideen für "Grace For Drowning" vorgespielt habe, "Ha Ha…" ich glaube sogar mehrere Stunden. Und dann haben wir noch ein Paar Remixes für meine 70's Bands gehört. Aber wie auch immer. Irgendwann waren wir im Studio und haben alles möglich gemacht. Mikael hat sich meine Gitarre geschnappt und hat angefangen diese Riff zu spielen. Es war das Riff zu "Drag Ropes" und ich fand es klasse und sagte "ja, das ist wirklich gut". Ich bin dann rüber zum Keyboard und habe angefangen etwas dazu zu spielen. So ging das dann Hand in Hand. Und auf diese natürliche und organische Art und Weise haben wir dann weiter gearbeitet. Wir haben niemandem etwas von unseremVorhaben erzählt. Wir hatten dann in etwas 70-80% für das Album fertig und haben dann zum ersten mal mit Leuten darüber gesprochen. Und wir wussten, auf Grund dessen, dass wir beide zusammen arbeiten, dass die Leute etwas großes erwarteten. Danach haben wir angefangen das Album aufzunehmen und haben immer noch so gut wie keinem etwas davon erzählt, was denn jetzt genau dabei raus kommen soll. Als wir dann soweit waren, fühlten wir, dass es, bis dahin, ein starkes Stück Arbeit war und in vielerlei Hinsicht ist die Musik auf diesem Album genau das Gegenteil von dem, was viele Menschen erwartet haben. Es ist schon fast Musik die mit dem Rock abgeschlossen hat. Es ist keinerlei Rock darin. Natürlich gibt es ein paar Riffs, aber wir haben Sie nicht mit dem Hintergedanken geschrieben, wie es eine Rockband machen würde. Nach dem Schema "Wir haben hier ein Riff, und da spielen wir ein Schlagzeug drauf…". Es gibt auch keine Screaming Vocals und so weiter. Es ist ein sehr orchestrales, surreales, experimentelles, abstraktes und wunderbares Album. Es ist nicht direkt eine Art Ambient Album. Es hat Strukturen und ein solides Songwriting. Aber ich würde sagen, der Sound und die Texturen sind eine Art Weiterentwicklung von "Grace For Drowning" und Opeth's aktuellem Album "Heritage", an dem ich ja zur selben Zeit mit involviert war. Es verfolgt einige Ideen von diesen beiden Scheiben, aber mehr reduziert mit weniger Rock und mehr Orchester. Und ich denke, es ist eine unglaubliche und schöne Scheibe und ich glaube, dass Sie Zeitlos ist und in kein direktes Genre passt.
 

NC-PIERRE: ICH DENKE DAS VIELE FANS DIE ERWARTUNG HATTEN, DAS STORM CORROSION EINE PROG-METAL SUPERGROUP WIRD, ABER ES IST SEHR AMBIENT-LASTIG GEWORDEN!

Steven Wilson: Ja, ich bin mir sicher, dass einige Leute enttäuscht sein werden. Es gibt diejenigen, die es mögen und diejenigen die es nicht mögen. Aber so wirklich enttäuscht sollte keiner sein, wenn wir eine derartige Scheibe machen. Ich glaube, es ist so, zumindest denke ich, dass einige Leute gedacht haben, wenn ich mit Mikael Åkerfeldt eine Scheibe mache, dass diese dann quasi "Opeth" plus "Porcupine Tree" sein wird. Das wird doppelt so gut sein! Das wird es nie sein und ich will auch keinen in diesen Erwartungen lassen. Und ich glaube, wir sind ganz instinktiv in eine völlig andere Richtung gegangen. Ich glaube es war vor 3 oder 4 Jahren als Mikael und ich in diesem Raum, wo wir diese Scheibe mit dem Dream Theater Schlagzeuger "Mike Portoy" gemacht haben. Und ich glaube Mikael und ich selber waren zu dem Zeitpunkt entsetzt über den Gedanken etwas zusammen zu machen. Ich meine wir wollten keine Art "Prog-Metal-Super-Group" machen, zumindest nicht jetzt, vielleicht in 6 oder 7 Jahren, wer weiß… Und ich weiß dsas einige Leute enttäuscht sind und mich fragen werden "Wo sind die Riffs und all das Zeug?" Die Scheibe ist dann einfach nichts für Sie, und wie es scheint gibt es viele Leute die mehr aufgeschlossen und "open minded" sind. Es hilft ein wenig, dass "Heritage" und "Grace For Drowning" als erstes veröffentlicht wurden. Auf diesem Weg wurden die Leute dann auch schon etwas auf "Storm Corrosition" vorbereitet und dass es wohl nichts mit Metal oder Rock zu tun haben wird.
 

NC-PIERRE: WAS PASSIERT WÄHRENDESSEN BEI PORCUPINE TREE, SCHREIBT IHR SCHON NEUE SONGS?

Steven Wilson: Nein, ich schreibe gerade an neuen Songs für meine nächstes Solo Album. Heute Abend kannst Du schon einen sehr langen Song, den ich dafür geschrieben habe, hören. Bisher kann ich noch keinen Termin nennen wann wir die nächste "Porcupine Tree" Scheibe raus bringen werden. Es wird auf jeden Fall etwas anderes sein, ich weiß noch nicht was und ich weiß auch noch nicht wann es soweit sein wird. Bisher haben wir noch keine Pläne aber es wird auf jeden Fall etwas kommen. Ich kann dir da noch keine soliden Informationen dazu geben. Es braucht einfach seine Zeit, ich denke es muss einfach das richtige Feeling zu einer gewissen Zeit vorhanden sein um eine neue "Porcupine Tree" Scheibe zu schreiben. Und das hatte ich die letzten Jahren einfach nicht, ich denke, wir müssen dieses entsprechende Feeling haben und bereit dafür sein. Wir müssen auf jeden Fall etwas anderes machen und nicht einfach ein weiteres Album, dass wie die letzten "Porcupine Tree" Alben klingt. Also, bisher gibt es noch keine Pläne, aber es wird kommen.
 
Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

NC-PIERRE: DU BIST JA EIN SOUNDFREAK IM STUDIO, EXPERIMENTIERST VIEL UND HAST IMMER EINEN SPITZEN SOUND AUF DEINEN PRODUKTIONEN! HAST DU DIR DAS SELBER BEI GEBRACHT UND WIE ARBEITEST DU GENERELL IM STUDIO?

Steven Wilson: Yeah… Ich habe mir das selber bei gebracht, indem ich mir Platten angehört habe. Gut klingende Platten und keine MP3's *Haa Haa* Ich habe mir einfach schöne Platten angehört, von denen ich viel gelernt habe. Zuhören und die Tricks der Producer lernen. In den frühen Jahren habe ich grauenhaft klingende Scheiben gemacht. Aber ich mache das jetzt schon seit über 20 Jahren und ich habe von den Fehlern, die ich bei den frühen Scheiben gemacht habe, gelernt. Ich habe schnell gelernt wie man die verfügbaren Technologien einsetzt und wie man den entsprechenden Sound reproduziert, den ich auf den so fantastisch klingenden Scheiben gehört habe. Man beginnt dann zu verstehen was, wie gut klingt. Ja ganz ehrlich, ich hab es einfach beim zuhören und beim rum experimentieren gelernt, und natürlich durch die Fehler die man vorher gemacht hat. Aber ich gleube, dass ich jetzt in den letzten 4-5 Jahren definitiv das Gefühl dafür bekommen habe gute Aufnahmen und Alben zu machen. Das "Storm Corrosion" Album klingt fantastisch und erst recht wenn du es dir mal als Blu-Ray mit 96k, 24bit als Surround Mix anhörst. Und ich denke der Surround Mix ist der Beste den ich bisher gemacht habe. ich denke, dass ich in letzter Set immer besser werde, was die Soundqualität angeht.
 

NC-PIERRE: WELCHE EFFEKTE VERWENDEST DU SPEZIELL BEI DEN GESANGS-PASSAGEN? DIESE CHOR-ARTIGEN "HAAAA HAAAA HAAAA'S" DIE MAN Z.B. IM ERSTEN SONG DEINES ERSTEN SOLO ALBUMS HÖRT, DIESe DOPPELTEN UND DREIFACHEN GESANGSPASSAGEN, WIE SIE AUCH PINK FLOYD VIEL BENUTZT HABEN!

Steven Wilson: Ich glaube, das was Du meinst ist einfach das Overdubbing und Multi-Tracking. Der erste Song auf meinen Solo Album hat z.B. 40 Überlagerungen, die ich eingesungen habe. Wenn Du beginnst diese zu überlagern in unterschiedlichen Harmonien bekommst Du diese dicken Texturen in der Gesangsspur, die so wundervoll klingen. Es ist einfach das Überlagern dieser Spuren. Ich nutze dafür keinen speziellen Effekt. Natürlich habe ich allgemein auf dem Gesang einen Reverb und einen Chorus, aber diese haben im Grunde nichts mit dem speziellen Resultat der Gesangsspur zu tun. Es ist dieses Überlagern. Das Finden der entsprechenden Harmonien ist dabei sehr wichtig um diesen Sound hin zu bekommen. Es gibt natürlich auch Effekte die so etwas machen, aber ich erzeuge diesen Sound mit dem Überlagern. Es ist schon richtig was Du sagst. Einige Bands wie z.B. Pink Floyd haben gerade mal 2-3 Überlagerungen, was ja schon gut klingt. Aber ich nutze oft 40-50 in unterschiedlichen Harmonien und Lautstärken. Ich glaube, bei mir kommt diese Vorliebe vom hören der "Beach Boys" und "Crosby Still Nash & Young" Scheiben, tolle Künstler und wunderbare Harmonien, die sie zusammen bauen und in diese hohe Tonlage bringen.
 

NC-PIERRE: UND WELCHE EFFEKTE NUTZT DU BEI DEINER GITARRE, NATÜRLICH HABEN WIR EINE GROSSE PALETTE VON EFFEKTEN, ABER HAST DU ETWAS SPEZIELLES ODER IRGENDWELCHE FAVORITEN

Steven Wilson: Hm… Nein, ich benutzte einfach alles mögliche. Ich experimentiere mit den unterschiedlichsten Dingen und versuche einen anderen oder neu klingenden Sound zu generieren. Bei vielen meiner Sounds, die ich auf meinen Alben habe, denken die Leute, dass es ein Keyboard sei, aber dem ist nicht so. Es sind Gitarren. ich benutzte einfach alles was mir unter die Finger kommt und zur Verfügung steht. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich habe hier einen speziellen Ansatz den ich verfolge.
 
Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Steven Wilson
Foto: Pierre Brost

NC-PIERRE: BEI ALL DEINEN TÄTIGKEITEN, BLEIBT DA NOCH ZEIT FÜR WAS ANDERS, AUSSER MUSIK?

Steven Wilson: Doch doch, ich mach viele verschiedene Sachen! Das was ich sehr gerne mache ist, vieles mit Musik zu kombinieren. Nur mal so als Beispiel, wo wir eben drüber gesprochen haben. Als Mikael die eine Woche bei mir in England war, haben wir uns Platten angehört und dazu Wein getrunken und Filme angeschaut. Natürlich haben wir auch ein wenig gearbeitet *Großes Grinsen* Ich liebe es auch zu Reisen und ich besuche viele Orte. Aber meistens verbinde ich das Reisen dann auch mit kreativen Soundgeschichten. Ich habe z.B. eine Weile in Israel verbracht um dort auch an “Blackfield“ zu arbeiten, aber ich habe dort auch eine Menge Party gemacht, ich liebe Parties *Smile*. Ich bin nicht verheiratet und habe auch keine Kinder und somit auch keine persönlichen Verpflichtungen. Ich kann also einfach abhauen und Party machen. Das mache ich sehr oft und ich mag es sehr. Für mich ist es auch ein Teil des musikalischen Prozesses. Ich mag es nicht wenn sich das Musikmachen wie Arbeit anfühlt. Es soll einfach Spaß machen. Und manchmal fühlt es sich für mich auch einfach nur gut an, andere Dinge zu machen. Wie z.B. Weintrinken, Chicks, Party, Musikhören, Platten kaufen oder auch mich hinsetzen und einfach nur Filme anschauen. Ich mache also eine menge andere Dinge als nur Musik *Smile*.
 

NC-PIERRE: SUPER, VIELEN DANK. MÖCHTEST DU NOCH ETWAS BESONDERES AN UNSERE LESER UND DEINE FANS LOSWERDEN?

Steven Wilson: Oh wow, wir haben über so vieles gesprochen… In erste Linie danke ich Dir für das zuhören! ich bin doch ein Niemand *Smile*… Die Leute die meine Musik kennen, haben diese nicht über den Mainstream gefunden. Die meisten wurden wohl über persönliche Empfehlungen auf mich aufmerksam oder über den Underground. Ich muss diese Leute einfach nur loben und bin sehr froh wenn Sie meine Musik auch weiterhin an andere weitergeben und empfehlen. Ich kann mich einfach nur bei all diesen Menschen bedanken, die positiv über mich und meine Musik sprechen, das ist das was mich antreibt um weiter zu machen. Du wirst mich mit Sicherheit nicht im Radio hören oder auf MTV sehen. Ich muss diejenigen echt loben, das ist fantastisch. Und die deutschen Fans sind auch echt großartig, über all die Jahre. Ich danke Dir für das Interview, es war super!
 

NC-PIERRE: ICH HABE ZU DANKEN, DASS DU DIR DIE ZEIT GENOMMEN HAST SO AUSFÜHRLICH AUF MEINE FRAGEN ZU ANTWORTEN. DAS WAR GROSSARTIG. ICH WÜNSCHE DIR DAS BESTE FÜR DIE ZUKUNFT

Steven Wilson: Vielen Dank, gern geschehen. Ich wünsche Dir viel Spaß bei meiner Show heute Abend, geniesse es. Bis demnächst, bye!
 
Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Here comes the Sound
Foto: Pierre Brost

Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Nick Beggs
Foto: Pierre Brost

Steven Wilson - Garage, Saarbürcken, 06.05.2012

Marco Minnemann
Foto: Pierre Brost

 
Hier findet Ihr die Steven Wilson Fotos von der Show aus der Garage in Saarbrücken im Großformat. Leider durfte kein Fotograf aus dem Graben fotografieren, obwohl wir dazu ja berechtig waren. Aber auf Grund des extra transparenten Vorhangs der zu Beginn des Konzerts genau vor der Bühne hing wurde uns vom Management aus nur das Fotografieren aus dem Publikum erlaubt. Also gut das man das große Objektiv dabei hatte... Aber nun gut kann man nichts machen, aber wir wurden dafür mit einer großartigen Live Show von Steven Wilson entschädigt, die keine Wünsche offen ließ. Genau so wie es Steven mir schon vorhergesagt hat. Einfach ein großartiges Konzert-Erlebnis mit dem Motto "One Night with Steven Wilson"

Autor: Pierre
Magazine established by Pierre Brost in 2003 with Michael Hohmann
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