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02nd
Sep 04

Spermbirds


ENGuest: Beppo


Ihr seit jetzt ca. 20 Jahre in der HC / Punk Scene aktiv, kannst du die Band vorstellen und uns erz?hlen was ihr neben Spermbirds sonst noch macht bzw. gemacht habt ?

Die Band gibt es seit 1982, und bis auf Roger (Gitarre, kam zwei Jahre
sp?ter) sind wir auch in der Originalbesetzung zusammen. Es gab einfach nie einen Grund f?r einen Personalwechsel, wenn man die Phase mit Ken Haus am Gesang mal ausnimmt, weil jeder immer am Ball geblieben ist, und vor allem: weil wir alle sehr gute, alte Freunde sind. Touren ist f?r uns wie Urlaub mit den besten Kumpels.In all den Jahren haben wir nat?rlich sehr viel Ver?nderungen in der Szene mitbekommen, aber ehrlich gesagt: Mal abgesehen von der wirklich aufregenden Zeit, als der US-Hardcore die deutschen Jugendzentren eroberte, hat sich nicht so viel ver?ndert. HC/Punk/Independent ist eine von vielen Subkulturen, in der es sich sehr gut musizieren und leben l?sst, und in der man viele nette Leute treffen kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Neben den Spermbirds gab es immer auch einige Nebenprojekte, die teilweise sogar auch einen gewisen Bekanntheitsgrad hatten wie etwa Walter Elf (Frank und ich), Super Gouge (Frank und zeitweise Lee), Arts & Decay (Roger, Markus), Headcrash (Roger), Kick Joneses (Frank und ich, immer noch aktiv. Letztes Jahr kam unsere dritte CD raus) oder Steakknife (Lee, auch die sind immer noch aktiv und ver?ffentlichen demn?chst ihre n?chste CD). Diese Nebenprojekte waren immer notwendig, damit wir auch unsere anderen musikalischen Bed?rfnisse ausleben konnten. Inzwischen sind diese Aktivit?ten aufgrund von Job, Kindern etc. allerdings ei gutes St?ck reduziert worden.



Wie seit ihr eigentlich auf den Namen Spermbirds gekommen ?

Das war Lees Vorschlag. Es ging einfach nur darum, etwas provozierendes zu finden, was aber auch lustig war, und dieser Name schien uns beides zu vereinen. O.K:, vielleicht muss man jung und albern sein, um das nachvollziehen zu k?nnen, aber das waren wir. Au?erdem war das immerhin in den fr?hen 80zigern, also lange vor G.G. Allin - die Grenze zur Provokation hing damals niedriger.



Ich finde es erstaunlich da? ihr es geschafft habt ein neues Album auf die Beine zu stellen, schlie?lich wohnt ihr quer ?ber das Bundesgebiet verteilt (Berlin, Frankfurt, K?ln, Saarbr?cken). Es war bestimmt nicht einfach gen?gend Material f?r eine Full Length zusammen zustellen. Wie sind die Arbeiten an dem neuen Album vorangegangen und wie habt ihr es geschafft regelm??ig zu proben ?

Klar, unsere beruflichen/famili?ren Lebenshintergr?nde haben die Sache
nicht gerade beschleunigt. Die Songs sind ?ber mehrere Jahre hinweg
entstanden, geprobt wurde nur in gro?en Abst?nden. Aber uns kam da unsere Angewohnheit zur Hilfe, auf Proben immer sehr konzentriert und produktiv zu arbeiten, sowie die Tatsache, dass die Songs nie per "Session" im Kollektiv entstehen (was immer lange dauert), sondern von den einzelnen Bandmitgliedern zuhaus "vorgeschrieben" werden, im Proberaum dann also nur noch an Details gefeilt wird. Sonst w?re es wohl nie was geworden mit dieser Platte. Au?erdem waren die besten Spermbirds-Platten ohnehin immer die, die eine lange Vorgeschichte hatten, was das Songwriting angeht - siehe "Something to prove" und "Common Thread". Wir brauchen wohl eine gewisse Zeit, um auf eine ausreichend gro?e Zahl an guten Songs f?r eine CD zu kommen - es gibt ja immer auch einiges an "Ausschuss" beim Songwriting - also Lieder, die sich irgendwann dann als doch nicht ganz so hammergut erweisen.



Das neue Album hei?t "Set an Example". Wie zufrieden seit ihr mit der neuen CD ? Wird es auch eine Vinylversion geben ? Wie kam es dazu, da? ihr eure Platte diesmal auf Common Thread Records, eurem eigenen Label rausbringt ?

Wir sind sehr zufrieden, und f?r mich ist sie unter den top drei zusammen mit "Something to Prove" und "Common Thread" - vom Sound her ist sie mit Sicherheit sogar die beste. Die Vinylversion gibt es schon. Und auf dem eigenen Label ist sie deshalb rausgekommen, weil Roger die Zeit, die Lust, die ausreichende Erfahrung und den Bankkredit daf?r hatte, und wenn man es selber machen kann, dann sollte man es auch tun. Mehr Kontrolle und mehr Geld - das sind gute Gr?nde.



Wird es auf Common Thread Records noch weitere Releases neben Spermbirds geben ? Wenn ja was ist geplant ?

Roger will gerne auch andere Bands auf "Common Thread Records" rausbringen, aber das h?ngt auch ein bisschen davon ab, wie unsere neue CD l?uft. Konkrete Pl?ne gibt es aber noch nicht - Demos sind dennoch willkommen...



Wie siehts mit der Zukunft der Spermbirds aus ? Macht ihr die Band nur noch nebenbei als Hobby ? Oder plant ihr wieder regelm??ig zu touren und eure Br?tchen mit der Musik zu verdienen ?

Nein, es gab zwar Zeiten, da waren die Spermbirds ein wichtiger
Nebenverdienst - ich z.B. habe mir mein Studium damit finanziert. Aber zum Leben hat es nie gereicht. Deshalb haben wir alle unsere Jobs, mit denen wir im Gro?en und Ganzen auch ganz gl?cklich sind, und deshalb werden die Spermbirds immer eine - wenn auch sehr wichtige und sch?ne - Nebensache
bleiben.



Was f?hlst du wenn du heute wieder mit den Spermbirds auf der B?hne stehst ? Hat sich im Gegensatz zu fr?her was f?r dich ge?ndert ?

Nein, es ist das selbe Gef?hl wie fr?her - einfach toll. Nat?rlich hat man
ab und zu auch mal das eine oder andere Konzert, auf dem es nicht so funkt, aber das war in jeder Spermbirds-Phase so. Wenn der Saal voll ist, und die Leute gehen ab und singen mit, dann ist das einfach ein unbeschreibliches Gef?hl, vielleicht so, als ob man in der Bundesliga ein Tor schie?t.



Als Lee 1992 die Spermbirds verlie? um mehr Zeit f?r 2Bad zu haben wurde er durch Ken Haus ersetzt. Habt ihr heute noch zu Ken Kontakt ? Was macht er heute ?

Der einzige, der noch ab und zu mit Ken Kontakt hat, ist Roger, auch deshalb, weil er ihm immer seine Gema-Aussch?ttungen nachschickt. Mit dem Rest der Band besteht kein Kontakt mehr, was sicherlich daran liegt, dass Ken nicht gerade ein umg?nglicher Typ war und wir uns viel mit ihm streiten mussten. Aber komischerweise denke ich trotzdem relativ regelm??ig an ihn, und w?rde mich, glaube ich, sogar freuen, ihn mal wieder zu sehen. Schlie?lich ist es ja nicht so, dass er ein komplettes Arschloch war - er hatte durchaus auch seine nette Seiten. Soviel ich wei?, jobt er im Schuhgesch?ft seines Onkels in den USA und spielt Theater.



Wie bist du eigentlich in die HC / Punk Szene gerutscht ? Was sind deine gr??ten Einfl?sse gewesen. Welche Musik hast du vor 20 Jahren geh?rt und was h?rst du heute f?r Musik ?

Ich habe mich damals einfach f?r die Musik begeistert, und sicher hat es
mir auch geholfen, als Teenager eine eigene Identit?t und ein eigenes
Selbstgef?hl zu entwickeln, weil ich im Kuhkaff Kaiserslautern einer der
wenigen war, die solche Musik h?rten, was uns so ein bisschen ein positives Outcast-Gef?hl gegeben hat. Wir mit dem guten Geschmack und die restlichen Deppen mit Genesis und Pink Floyd. Der sozio-kulturelle Hintergrund war damals nicht ganz so wichtig, daf?r fehlte mir als Kind aus beh?teter B?rger-Familie vielleicht auch der notwendige Background. Geteilt habe ich aber immer die Abneigung gegen die Hippie-Kultur. Das destruktive Element im Punk fand war mir schon immer etwas fremd - da hatte das linksliberale Elterhaus wohl schon zu sehr seine Spuren hinterlassen. Die wirklich guten Sachen von damals h?re ich nat?rlich immer noch gerne (XTC, Ruts, The Damned, Stranglers, Undertones Bad Brains, Descendents, Big Boys, um mal ein paar zu nennen, die mir spontan einfallen), aber ich finde auch heute noch genug gutes Zeug - und keineswegs nur Punk (letzter Volltreffer: Koufax)



In der HC / Punk Szene hat sich in den letzten 20 Jahren eine Menge getan.Wenn man Bands wie Minor Thread mit neueren Bands wie Hatebreed oder Madball vergleicht, findet man kaum noch musikalische Paralelen. Wie denkst du ?ber die Entwicklung ?

Die HC-Entwicklung hat mich ab dem Aufkommen dieser NY- oder
Boston-HC-Geschichte nicht mehr so schrecklich interessiert. Das war mir zu ernst und ohne jegliche Selbstironie (nicht dass Minor Threat je spassig oder selbstironisch gewesen w?ren, aber die Big Boys z.B. waren das in hohem Ma?e und auf sehr intelligente Art.) Aber das war auch nicht schlimm, es gab und gibt immer genug gute Musik zu entdecken, auch wenn ich relativ stark auf Gitarrenmusik fixiert bin.



Irgendwelche Abschlie?enden Worte ?

Es ist einfach nur sch?n, das wir immer noch so vielen Menschen was
bedeuten. Wenn ich bei uns auf der Hompage ins G?stebuch schaue, bin immer ganz dankbar. Thanks, Leute! Man sieht sich auf der Tour. www.spermbirds.com

Autor: Andy_DS
Magazine established by Pierre Brost in 2003 with Michael Hohmann
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