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24th
Feb 10

Joey Cape (Lagwagon), Tony Sly (No Use For A Name)

Munich, 59:1 Club, 350 Zuschauer (ausverkauft)
ENGuest: Joey Cape & Tony Sly

New-Core: Hey Joey und Tony, schön Euch wieder zu treffen. Wie geht´s Euch, wie läuft die Tour?

Joey: Danke, soweit alles in Ordnung. Die Europa Tour ist bisher ausgezeichnet, wir können uns nicht beklagen.

New-Core: Joey, du hast letztes Jahr, im April 2009, in München gespielt. An diesem Tag war ich in Kalifornien, in Deiner Heimatstadt Santa Barbara. Ich habe mich damals schwer geärgert, dass ich Deine Show hier in München verpasse.

Joey: Ha, du machst Witze, du warst an diesem Tag in Santa Barbara?

New-Core: Ja, absolut. Kannst Du Dich noch an die Show in München erinnern?

Joey: Ja klar, mein Gedächtnis ist zwar nicht so gut, aber auch nicht so schlecht. Wenn es einige Jahre wäre, müsste ich eine Sekunde überlegen, aber es ist ja nur 10 Monate her und die Show war für mich die Beste der letzten Europa Tour, deswegen ist es nicht schwierig mich daran zurück zu erinnern. (Schaut sich im Club 59:1 um). Hey, sieht das hier jetzt nicht besser aus, die haben wohl da vorne was geändert, oder? Das Skorpion Bild da vorne in der Ecke ist neu, oder?

New-Core: Keine Ahnung. Ist mir nicht aufgefallen.

Joey: Wir sind alle hier im Oktober und November geboren und der Skorpion ist unser Sternzeichen. Deswegen ist mir das gerade aufgefallen. Ha, war nur ein Witz. Sieht bestimmt aus wie immer, keine Ahnung (lacht).

New-Core: Tony, ein Song auf der neuen Platte „12 Song Program“ ist nach unserer Stadt benannt. Warum heißt das Lied „Via Munich“ ?

Tony: Im Song geht es unter anderem um eine Nacht in München. Ich hatte Ärger mit meiner Frau, bin hier um die Häuser gezogen und war später richtig besoffen. Der Song heißt so, weil Du als Musiker immer irgendwie auf Achse bist, eine Nacht, ein Platz, eine Show. Darum geht es und deswegen heißt das Lied so.

New-Core: Joey, Dein neues Album hast Du „Doesn´t Play well with others“ genannt. Ist der Titel eine Art Insider Joke, wie der Name der letzten Lagwagon Platte und ist da nicht auch jede Menge Ironie im Spiel. Auf mich machst Du jedenfalls einen sehr netten und umgänglichen Eindruck.

Joey: Naja, zuerst wollte ich ein Doppelalbum machen und ich hatte eine große Menge an Gastmusikern. Der Titel ist zum Teil schon ironisch gemeint. Schau, ein Typ wie ich, bekannt aus einer Band, macht jetzt eine Soloplatte und nennt sie „doesn´t play well with others“. Komisch, oder? Ich denke, dass man Musik im Endeffekt immer mit anderen Leuten machen sollte, deswegen auch immer die hohe Anzahl an Gastmusikern und Freunden auf meinen Songs. Es macht einfach großen Spaß mit Freunden Musik zu machen. Aber den Gedanken mit dem Doppelalbum habe ich dann irgendwann verworfen und alles hat sich ein bisschen geändert.

New-Core: Du veröffentlichst die Platte auf einem eher ungewöhnlichen Weg. Ein Song pro Monat, am Ende vom Jahr gibt´s dann die ganze Platte, als CD und Schallplatte. Wieso hast Du dich für diese Art der Veröffentlichung entschieden und nicht wie Tony einfach eine ganze CD „in one go“ rausgebracht?

Joey: Ich kümmere mich nicht groß um CD´s, ich mag Vinyl. Ich bin mit Schallplatten aufgewachsen. Ich habe noch nie eine romantische Beziehung zu CD´s gehabt. Ich glaube, du kannst heutzutage die Leute besser mit einem Song erreichen. Außerdem kann man Musik als Künstler in kürzeren Abständen veröffentlichen, wenn man nur einen Song macht. Wenn Du gleich eine ganze Platte machst, kann das mitunter mal locker drei Jahre dauern. Wenn das mit meinem Konzept einen Song jeden Monat funktioniert, dann werde ich das jedes Jahr machen. Ich mag soziale Netzwerke, das Internet, etc. Auf diese Weise kann man viel direkter mit den Leuten in der Welt kommunizieren, ohne ein Mittelsmann, Plattenlabel oder so.

New-Core: Tony, vor einer Woche am 16. Februar ist Deine neue CD „12 Song Program“ erschienen. Die Release Show war in Bremen, der Auftakt eurer Tour. Wie war´s, bzw. ist eine Release Show eigentlich etwas besonderes?

Tony: Die Show war schon sehr gut. Aber ehrlich, was ist eigentlich eine Record-Release Show? Klar, die neue Platte ist dann am Merchandise und ich habe später auf Poster und Shirts Autogramme gegeben. Aber von der Show und den Songs an sich, ist es unter dem Strich kein großer Unterschied.

New-Core: Joey, wir kennen Dich als Sänger von Lagwagon, jetzt bist du als Solokünstler mit Gitarre unterwegs. Musik ist Dein Leben. Wann hast Du angefangen zu musizieren?

Joey: Ich habe mit 8 oder 9 Jahren angefangen, jetzt bin ich 43 Jahre, also so ungefähr 35 Jahre. Schon komisch. Aber als ich jung war habe ich das nicht so ernst genommen. Ich hab mit Schlagzeug spielen angefangen. Und tja, Gitarre spiele ich noch nicht lange genug (lacht).

New Core: Tony, Du hast eine vor 4 Jahren eine Split CD mit Joey rausgebracht, jetzt habt ihr beide neue Platten am Start, macht diese Tour. Was gibt es an weiteren gemeinsamen Projekten?

Tony: Wir werden wohl zusammen eine Tour durch Australien machen, wahrscheinlich Kanada, vielleicht Japan. Es ist eine wirklich coole und runde Sache das mit Joey und Jon (Snodgrass) zu machen. Die Chemie stimmt einfach und was könnte es besseres geben?

New-Core: Von eurem musikalischen Potential könntet Ihr, meiner Meinung nach, locker mit anderen Größen der Showbranche, wie z.B. Jack Johnson mithalten. Könntet ihr Euch vorstellen als Soloartist so groß zu werden, oder ist Mainstream für Euch immer noch ein Tabu?

Tony: Wenn ich so viele Platten verkaufen könnte wie Jack Johnson würde ich mich natürlich nicht beklagen. Aber ich werde dafür nicht meine Schuhe ausziehen und mir Sand in meine Flip-Flops streuen, du verstehst (lacht).

Joey: Das haben mich die letzte Zeit mehrere Leute gefragt und ich denke es ist eine interessante Frage. Wenn Du Dir die Leute wie Jack Johnson oder Dave Matthews anschaust, dann ist da oft noch viel mehr dahinter, als nur die Musik. Jack Johnson surft ja zum Beispiel, da ist an sich natürlich eine gute Sache. Aber zum Beispiel dann auch die Surfmode und so. Da kommt einiges zusammen, was ihn zu einem sehr bekannten Künstler macht und seine Songs sind dann ja auch wirklich gut.

Tony: Habe ich nicht Deiner Tochter (Violet) den Soundtrack von „Curious George“ mit Jack Johnson Liedern zum Geburtstag geschenkt? Einige von seinen Songs waren Tage lang in meinem Kopf.

Joey: Ja, ich will jetzt nichts Negatives über Jack Johnson sagen. Schau Dir an, er verkauft Tonnen von Platten, die Leute lieben seine Musik und er ist auch nicht der typische Rockstar. Aber so groß werden wie er, das ist definitiv nicht meine Sache. Das wird bei mir nicht passieren.

Tony: Ja, absolut. Du wirst meine CD´s auch nie in der Fensterscheibe von Starbucks sehen. Um Gottes Willen.

Joey: Außerdem sieht Jack Johnson auch besser aus als wir.

New-Core: Naja, kann man drüber streiten. Andere Frage. Während ihr neue Songs im Studio macht, müsst ihr Eurem Kram natürlich tausendmal hören. Wie ist es, wenn das Werk vollbracht ist. Hört ihr Eure eigene Musik gerne? Im Auto, auf Partys, etc., oder kommt sie Euch dann zu den Ohren raus?

Joey: Nein, eigentlich mag ich es nicht unbedingt meine eigene Musik zu hören. Als ich früher angefangen habe Sachen aufzunehmen, fand ich es toll. Oder im Prozess des Aufnehmens kann es eine gute Geschichte sein und es ist wunderbar, wenn Deine Vision von einem Song Gestalt annimmt. Aber danach, na ja. Wenn ich dann in einer Bar bin und ein Lagwagon Song kommt, denke ich eher, „Fuck“, ich muss hier raus.

New-Core: Danke Euch für das nette Gespräch.

Outro: Die Show im restlos ausverkauften Club 59:1 (350 Zuschauer) war ein voller Erfolg für die zwei Kalifornier. Joey meinte nach der Show, dass es nicht oft vorkommt, dass man bei einer Akustik Show schwitzt. Aber gestern floss der Schweiß bei ihm in Strömen.

Autor: Björn
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